EUROPA AKTUELLDie Region Kaliningrad, der nördliche Teil des früheren Ostpreußen, ist wieder in den Schlagzeilen. Am 12. Februar hat Bundesaußenminister Fischer dort ein Generalkonsulat eröffnet. Aber noch mehr sehen die russischen Einwohner auf ein anderes Datum: Am 1. Mai treten die Nachbarn Litauen und Polen der EU bei. Die russische Exklave wird zusätzlich eine EU-Enklave. Ziko Marcus Sikosek befragte für europa-digital ein russisches Herausgeberpaar, mit welchen Gefühlen sie in die Zukunft sehen. europa-digital: Halina Gorecka und Aleksander Korschenkow, Sie wohnen seit Sommer 2001 in Kaliningrad, kommen aber ursprünglich aus dem großen Stück Russlands. Warum sind Sie nach Kaliningrad gegangen? Halina Gorecka: Ja, mehr als vierzig Jahre lang haben wir in Asien gewohnt, zuletzt in Jekaterinburg. Dort haben wir gearbeitet, Bücher und Zeitschriften auf Esperanto herausgegeben. Aber nach und nach haben wir eingesehen, dass wir Asien verlassen mussten. Zum einen ist das asiatische Kontinentalklima etwas streng, und die ökologische Situation im Ural sehr schlecht. Aber vor allem wurden unsere herausgegebenen Produkte international, und nur ein kleiner Teil unserer Kunden war in Russland.
Aleksander Korschenkow: Wir mussten zwei-, dreimal im Jahr Europa aufsuchen, aber das hat uns große Kraftanstrengungen und ziemlich viel Zeit und Geld abverlangt. Selbst um nur nach Polen hin und zurück zu fahren, brauchten wir sechs Tage Zugfahrt, mit mehrerem Umsteigen - nun sind es nur ein paar Stunden mit dem Bus auf guter Straße. Kontrast zwischen Europa und Asien europa-digital: Wie haben Sie früher über die Region Kaliningrad gedacht? Aleksander Korschenkow: Ich habe Kaliningrad zum ersten Mal 1974 besucht, als Schüler, und ich war sofort von der Natur und den Städten begeistert, so ganz anders als unsere Fabrikstädte in Asien. In den Achzigerjahren waren wir einige Male in Kaliningrad und haben dank eines Esperanto-Freundes dort die Ruhe genießen können, Alen Kris, der schon seit den Siebzigerjahren dort wohnte. europa-digital: Wenn man nun nach Moskau fahren will, welche Schwierigkeiten gibt es? Halina Gorecka: Wir haben momentan keine Schwierigkeiten, denn wir besitzen ein litauisches Visum, das für ein Jahr gilt. Gerade letzten Samstag haben wir eine Zugfahrkarte nach Moskau gekauft - das dauerte nur ein paar Minuten. Aber nicht alle sind so privilegiert mit den Visa. Einwohner Russlands ohne litauisches Visum müssen ein, zwei Tage warten, bis Litauen den Transit gewährt - meines Wissens ist zwar noch niemand abgelehnt worden, aber es ist zeitraubend und unangenehm, denn es handelt sich um die Fahrt eines Russen von einer Stadt Russlands in eine andere. Man stelle sich vor, was los ist wenn man es eilig hat, etwa wenn ein Verwandter gestorben ist. Gar kein Problem haben natürlich reichere Leute, die sich ein Flugticket leisten können. Im zweiten Teil erfahren Sie mehr über das Reiseland Polen und was sich 2004 (nicht) ändern wird.
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