EUROPA AKTUELL

  • Claudia Rittel
 
Die Erklärer der Erweiterung

Wie gestalten die Medien ihre Informationen zu Beitrittsländern und "Beitrittsmenschen"?

Die Erweiterung ist durch Sonderseiten in der Presse und eine Fülle von Berichten in Fernsehen und Radio in aller Munde. Vieles davon findet sich auf den entsprechenden Websites der Medien wieder, manches wird extra für diese produziert. Dabei kommen in manchen Fällen eindrucksvolle Angebote zustande, die Fakten, politische Beiträge und Menschelndes übersichtlich aufbereiten.

europa-digital hat sich Dossiers und Themenschwerpunkte rund um die EU-Erweiterung angeschaut und stellt sie hier - in drei Kategorien - vor.

Als Mindeststandards findet sich bei den meisten Angeboten eine steckbriefartige Übersicht der wichtigsten politischen Daten. Außerdem gibt es häufig von jedem Land eine kleine Karte, die die geographische Einordnung vereinfacht.


Erste Wahl - diese Angebote lohnen in jedem Fall einen Besuch:

DER TAGESSPIEGEL
Das Dossier des Tagesspiegel bietet eine gute Übersicht über die zehn Neuen. Ein Hauptartikel, dessen Schwerpunkt nicht Wirtschaftsthemen, sondern eher der Weg des jeweiligen Landes in die EU, seine derzeit wichtigsten innenpolitischen Themen und Stimmungen sind, stellt jeweils das Land vor. Außerdem nimmt die Rubrik "Land&Leute" das jeweilige Volk unter die Lupe.
Fazit: Viel Information, die aber nicht überfordert: Absolut geeignet, um sich surfend über die neuen Länder zu informieren.

DIE ZEIT
Die Wochenzeitung bietet ein sehr umfassendes und facettenreiches Angebot. Beim Dossier "Das neue Europa" gelangt man ausgehend von einer interaktiven Karte zu den einzelnen Länderdossiers. Hier sind Beiträge zu verschiedenen Themen aus Kultur, Politik und Wirtschaft der einzelnen Länder zusammengestellt. Auch Rumänien, Bulgarien und die Türkei werden berücksichtigt. Unter www.zeit.de/eu_erweiterung findet man noch einmal extra zusammengestellt das Highlight des Angebots - zehn junge Schriftsteller aus den Beitrittsländern schreiben über ihre Länder. Ein besonders reizvoller Ansatz des Kennenlernens.
Fazit: Eine Website zum Schmökern. Wer sich hier informiert, sollte sich genügend Zeit nehmen.

DIE PRESSE
Umfangreich und vor allem abwechslungsreich ist das Informationsangebot der "Presse" aus Wien. Es gibt nicht nur einen guten Einblick in jedes Land und eine Art "Mentalitätscharakterisierung" der Menschen, sondern auch gut gemachte Minisprachkurse und Kurzerklärungen zur Sprache. Außerdem kann man in "Facts&Figures" Skuriles und Unerwartetes lernen...
Fazit: Eine interaktive Seite, die sich besonders durch die kleinen "Klicks" von den anderen Seiten abhebt. Die hinter den Fahnen versteckten Artikel sind eine schöne Völkerkunde: Hallo Nachbar!

ZDF
Das Angebot des ZDF setzt auf eine so umfassende wie innovative Weise auf die Verbindung zum Medium Fernsehen. Vom Hauptmenü gelangt der DSL-Nutzer direkt auf den Hauptlink, der das gesamte interktive Programm umfasst. Ist man per Modem mit dem Internet verbunden, muss man sich eventuell die entsprechende Software runterladen, um sich dann je nach Interesse einen der vielen Kurzfilme oder Schaubilder anuzuklicken. Die gut gemachten Filme liefern viele Informationen und Eindrücke, durch die die Beitrittsländer näher rücken. Währenddessen kann das Internet-Lese-Auge ein wenig entspannen. Außerdem gibt es Reise-Informationen und die Möglichkeit auf eine "kulinarische Entdeckungsreise" zu gehen.
Fazit: Ohne Frage die interaktivste unter den Websites. Hier muss man nicht viel lesen, sondern kann hörend und schauend seinen EU-Horizont erweitern.

TAGESSCHAU
Zu jedem Land gibt es ein unterschiedlich reichhaltiges Dossier, aber unter komplettem Verzicht auf Filme! In den Länderdossiers, auf die man zunächst gelangt, stehen mal die Artikel im Vordergrund, mal die vielfältigen Linksammlungen - besonders für Slowenien, Tschechien, Lettland und Estland. Unter EU-ErweiterungKompakt findet man ein weiteres Infoangebot zu jedem Land, inklusive eines kleinen Knigge, worauf man dort in puncto Benehmen zu achten hat. Positiv hervorzuheben sind mehrere Funktionen, die man auf anderen Angeboten kaum findet: Das Diskussionsforum zur Erweiterung, ein aufwändiges Spiel, "Reise durch Polen", und ein interaktives Quiz. Ein wenig versteckt aber lohnenswert ist der "Sprachomat" für die Sprachen der Erweiterungsländer; hier kann man sich mit den uns noch fremden Klängen anfreunden...
Fazit: Inhaltlich gut, könnte es noch besser strukturiert sein. Der Mangel an Multimedia wird durch die o.a. Zusatzfunktionen kompensiert.

DEUTSCHE WELLE
Die zehn Neuen werden bei DW-World unter dem Titel "Im Osten viel Neues" vorgestellt. Unterteilt in fünf Abschnitte, stößt man unter "DW Links" zunächst auf gemischte Artikel zum Thema. Durch kurze Anmoderationen weiß man gut, was einen nach dem Klick jeweils erwartet. Hinter der Umfrage, findet man - etwas überraschend unter "www" - die Rubrik "Europa öffnet sich". Sie ist eine wahre Fundgrube mit einer Reihe halbstündiger DW-Filme zu den verschiedenen Ländern. Allerdings kann man sie leider nur in Visitenkartengröße anschauen. Außerdem gibt es eine Bildergalerie und eine Feedbackfunktion.
Fazit: Die DW nutzt die multimedialen Potenziale des Internet und wartet mit einer ordentlichen Informationsbandbreite auf, in der man sich jedoch manchmal nicht leicht zurecht findet

ARTE
Arte bietet auf seiner vollständig überarbeiteten Website Informationen in hauptsächlich drei Kategorien: "Schlüssel zu Europa" informiert aus einer die historischen Zusammenhänge darstellenden Perspektive allgemein über die EU. Die Informationen über die EU-Beitrittsländer sind recht schwer zu finden. Hier kann man auf einer interaktiven Karte die einzelnen Länder anklicken. "Anhaltspunke" bzw. "Beitritt zur EU" verlinkt dann die Information der offiziellen Website der Europäischen Union zum jeweiligen Land. Eine gute Verknüpfung, aber als Information etwas dürftig. Besonders positiv hervorzuheben ist die Kategorie "Zitaten-Ballade". Hier werden hauptsächlich Literaten, aber auch Politiker, und Philosophen in verschiedenen Themenkategorien zitiert. Eine sehr bunte, interessante und vor allem schmökerverdächtige Zusammenstellung. Eine gute Hilfe zu einer sehr guten Informationsquelle ist die Übersicht über das Arte-Sonderprogramm.
Fazit: Ein sehr gutes Schmökerangebot. Wer Länderinformationen sucht, favorisiert sicherlich andere Websites.


Zweite Wahl - diese Angebote sind auch nicht zu verachten:

FRANKFURTER RUNDSCHAU
Übersichtlich geordnet gelangt der Leser nach einer kurzen Einführung über das jeweilige Land zu den wichtigsten in der FR zuletzt veröffentlichten Artikeln - mehr aber auch nicht.

FAZ
Auch die FAZ fasst in ihrem Dossier zunächst die zur EU-Erweiterung erschienen Artikel zusammen. Außerdem bietet sie in ihrer Bildergalerie eine kleine Erkundungsreise durch die Hauptstädte der zehn neuen Länder. Das Angebot setzt keine eigenen Akzente, der versprochene Überblick über die neuen Länder bleibt oberflächlich.

SPIEGEL
Kurz, prägnant und bebildert kann man sich im "Portrait" informieren. Etwas weiter unten in der rechten Spalte kann man im "Länderlexikon" die wichtigsten "technischen Daten" der Länder inklusive Nationalhymne abrufen, wie sie auch im Spiegel-Jahrbuch stehen (und deshalb mit Stand August 2003). Außerdem gibt es eine Übersicht über zuletzt erschienene Artikel. Umfangreich ist das Angebot nur in Bezug auf technische Daten. Von den Menschen erfährt man jedoch nicht viel.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Unter dem Dossiertitel "Willkommen im Club" verspricht die SZ Kurzporträts. Doch die Kurzporträts sind in Anbetracht der anderen Online-Informationsmöglichkeiten keinen Klick wert. Unter "Großbaustelle Europa" möchte sie darüber hinaus über die EU aufklären. Aber wer sich über die Institutionen der EU informieren will, ist bei europa-digital besser aufgehoben ;-)
Das Dossier passt leider nicht zum eigentlichen Standard der Zeitung.

ORF
Von den fünf Themen der Hauptmenüleiste, stellen nur "Die wichtigsten Links" (eine gute Zusammenstellung) sowie "EU+10" ein eigenes Angebot dar. Die Navigation ist verwirrend, zudem ist bei manchen Links das Thema dahinter nicht erkennbar. Zurück zur Übersicht gelangt man im Zweifel über den blauen Kasten "EU+10". Besonderheit: Wer sich für die Literatur der neuen Länder interessiert, findet Artikel zum Thema, sowie eine Liste ins Deutsche übersetzter Werke. Wer jedoch gezielt nach Länderinformationen sucht, wird andere Websites vorziehen.

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Die NZZ bietet ihren Lesern im eigentlichen Angebot nichts Besonderes zum Thema Erweiterung. Allerdings beschäftigt sich die Edelbeilage NZZ-Folio im April mit dem Thema - eine Reihe interessanter literarischer Artikel findet man hier in karger Aufmachung. Sie geben gute Einblicke, den Überblick kann man sich hier jedoch nicht verschaffen.

PHOENIX
Der Sender war mit seinem Themenschwerpunkt "Europa wird größer" oder auch "Europa wächst zusammen" schon vor einem Jahr online, seitdem hat sich nicht mehr viel getan. Es gibt Kommentare verschiedener Europapolitiker, Ländersteckbriefe, einen Artikel zu europäischen Symbolen und zur Geschichte der EU. Der Link zum Europa-Diskussionsforum führt ins Leere. Die Länderinfos sind insgesamt zu schwach und die Kommentare zu lang. Die Links verweisen fast nur auf die offiziellen Websites.

FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Das Dossier enthält die FTD-Artikel, die die Erweiterung unter sieben ausgewählten Schwerpunkten wie Wachstum Ost, Finanzmärkte, Energie und Verkehr analysieren. Interessant ist dieses Dossier vor allem in Bezug auf die Chancen für die deutsche Wirtschaft.

DIE WELT:
Die Welt hat kein eigenes Dossier zur EU-Erweiterung. Allerdings macht sie dies durch eine ständige Sparte zum Thema Europa teilweise wett. Hier sind aktuelle und auch einige Tage zurückliegende Artikel zu finden - vorausgesetzt, man hat sich als Online-Leser einmal registrieren lassen.

BERLINER ZEITUNG
... bietet unter "Europa 2004" die zuletzt zu Europa erschienenen Artikel. Es fehlt jede auf die Beitrittsländer bezogene Systematik der Information.


Bei folgenden Websites haben wir vergeblich nach aufbereiteten Informationen zur EU-Erweiterung und vor allem zu den neuen Ländern gesucht.

  • Der Standard
  • taz
  • DeutschlandRadio


     Erstveröffentlichung am 21.4.2004


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