Wie gestalten die Medien ihre Informationen zu Beitrittsländern und "Beitrittsmenschen"?
Die Erweiterung ist durch Sonderseiten in der Presse und eine Fülle von Berichten in Fernsehen
und Radio in aller Munde. Vieles davon findet sich auf den entsprechenden Websites der Medien
wieder, manches wird extra für diese produziert. Dabei kommen in manchen Fällen eindrucksvolle
Angebote zustande, die Fakten, politische Beiträge und Menschelndes übersichtlich aufbereiten.
europa-digital hat sich Dossiers und Themenschwerpunkte rund um die EU-Erweiterung
angeschaut und stellt sie hier - in drei Kategorien - vor.
Als Mindeststandards findet sich bei den meisten Angeboten eine steckbriefartige Übersicht der wichtigsten
politischen Daten. Außerdem gibt es häufig von jedem Land eine kleine Karte, die die geographische
Einordnung vereinfacht.
Erste Wahl - diese Angebote lohnen in jedem Fall einen Besuch:
DER TAGESSPIEGEL
Das Dossier des Tagesspiegel bietet eine gute Übersicht über die zehn Neuen. Ein
Hauptartikel, dessen Schwerpunkt nicht Wirtschaftsthemen,
sondern eher der Weg des jeweiligen Landes in die EU, seine derzeit wichtigsten
innenpolitischen Themen und Stimmungen sind, stellt jeweils das Land vor. Außerdem nimmt
die Rubrik "Land&Leute" das jeweilige Volk unter die Lupe.
Fazit: Viel Information, die aber nicht überfordert:
Absolut geeignet, um sich surfend über die neuen Länder zu informieren.
DIE ZEIT
Die Wochenzeitung bietet ein sehr umfassendes und facettenreiches Angebot. Beim Dossier
"Das neue Europa" gelangt man ausgehend von einer interaktiven Karte zu den
einzelnen Länderdossiers. Hier sind Beiträge zu verschiedenen Themen aus Kultur, Politik
und Wirtschaft der einzelnen Länder zusammengestellt. Auch Rumänien, Bulgarien und die
Türkei werden berücksichtigt. Unter www.zeit.de/eu_erweiterung findet man noch einmal extra zusammengestellt
das Highlight des Angebots - zehn junge Schriftsteller aus den Beitrittsländern schreiben über ihre
Länder. Ein besonders reizvoller Ansatz des Kennenlernens.
Fazit: Eine Website zum Schmökern. Wer sich hier informiert, sollte sich
genügend Zeit nehmen.
DIE PRESSE
Umfangreich und vor allem abwechslungsreich ist das Informationsangebot der "Presse" aus
Wien. Es gibt nicht nur einen guten Einblick in jedes Land und eine Art
"Mentalitätscharakterisierung" der Menschen, sondern auch gut gemachte Minisprachkurse und
Kurzerklärungen zur Sprache. Außerdem kann man in "Facts&Figures"
Skuriles und Unerwartetes lernen...
Fazit: Eine interaktive Seite, die sich
besonders durch die kleinen "Klicks" von den anderen Seiten abhebt. Die hinter den Fahnen
versteckten Artikel sind eine schöne Völkerkunde: Hallo Nachbar!
ZDF
Das Angebot des ZDF setzt auf eine so umfassende wie innovative Weise auf die Verbindung
zum Medium Fernsehen. Vom Hauptmenü gelangt der DSL-Nutzer direkt auf den Hauptlink, der
das gesamte interktive Programm umfasst. Ist man per Modem mit dem Internet verbunden,
muss man sich eventuell die entsprechende Software runterladen, um sich dann je nach Interesse
einen der vielen Kurzfilme oder Schaubilder anuzuklicken.
Die gut gemachten Filme liefern viele Informationen und Eindrücke, durch die die Beitrittsländer
näher rücken. Währenddessen kann das Internet-Lese-Auge ein wenig entspannen. Außerdem
gibt es Reise-Informationen und die Möglichkeit auf eine "kulinarische
Entdeckungsreise" zu gehen.
Fazit: Ohne Frage die interaktivste unter den Websites. Hier muss man nicht
viel lesen, sondern kann hörend und schauend seinen EU-Horizont erweitern.
TAGESSCHAU
Zu jedem Land gibt es ein unterschiedlich reichhaltiges Dossier, aber unter komplettem
Verzicht auf Filme! In den Länderdossiers, auf die man zunächst gelangt, stehen mal die Artikel
im Vordergrund, mal die vielfältigen Linksammlungen -
besonders für Slowenien, Tschechien, Lettland und Estland. Unter EU-ErweiterungKompakt
findet man ein weiteres Infoangebot zu jedem Land, inklusive eines kleinen Knigge,
worauf man dort in puncto Benehmen zu achten hat.
Positiv hervorzuheben sind mehrere Funktionen, die man auf anderen Angeboten kaum findet:
Das Diskussionsforum zur Erweiterung, ein aufwändiges Spiel, "Reise durch Polen", und ein interaktives Quiz.
Ein wenig versteckt aber lohnenswert ist der "Sprachomat" für die Sprachen der Erweiterungsländer; hier kann man
sich mit den uns noch fremden Klängen anfreunden...
Fazit:
Inhaltlich gut, könnte es noch besser strukturiert sein. Der Mangel an Multimedia wird durch
die o.a. Zusatzfunktionen kompensiert.
DEUTSCHE WELLE
Die zehn Neuen werden bei DW-World unter dem Titel "Im Osten viel Neues" vorgestellt. Unterteilt
in fünf Abschnitte, stößt man unter "DW Links" zunächst auf gemischte Artikel zum Thema.
Durch kurze Anmoderationen weiß man gut, was einen nach dem Klick jeweils erwartet.
Hinter der Umfrage, findet man - etwas überraschend unter "www" - die Rubrik
"Europa öffnet sich". Sie ist eine wahre Fundgrube mit einer Reihe halbstündiger
DW-Filme zu den verschiedenen Ländern. Allerdings
kann man sie leider nur in Visitenkartengröße anschauen. Außerdem gibt es eine
Bildergalerie und eine Feedbackfunktion.
Fazit: Die DW nutzt die multimedialen Potenziale des Internet und wartet mit einer
ordentlichen Informationsbandbreite auf, in der man sich jedoch manchmal nicht leicht zurecht findet
ARTE
Arte bietet auf seiner vollständig überarbeiteten Website Informationen
in hauptsächlich drei Kategorien: "Schlüssel zu Europa" informiert aus
einer die historischen Zusammenhänge darstellenden Perspektive allgemein über
die EU.
Die Informationen über die EU-Beitrittsländer sind recht
schwer zu finden. Hier kann man auf einer interaktiven Karte die einzelnen
Länder anklicken. "Anhaltspunke"
bzw. "Beitritt zur EU" verlinkt dann die Information der offiziellen Website der
Europäischen Union zum jeweiligen Land. Eine gute Verknüpfung, aber als Information etwas dürftig.
Besonders positiv hervorzuheben ist die Kategorie "Zitaten-Ballade". Hier
werden hauptsächlich Literaten, aber auch Politiker, und Philosophen in verschiedenen
Themenkategorien zitiert. Eine sehr bunte, interessante und vor allem schmökerverdächtige
Zusammenstellung. Eine gute Hilfe zu einer sehr guten Informationsquelle ist die Übersicht über
das Arte-Sonderprogramm.
Fazit: Ein sehr gutes Schmökerangebot. Wer Länderinformationen sucht, favorisiert
sicherlich andere Websites.
Zweite Wahl - diese Angebote sind auch nicht zu verachten:
FRANKFURTER RUNDSCHAU
Übersichtlich geordnet gelangt der Leser nach einer kurzen Einführung über das jeweilige
Land zu den wichtigsten in der FR zuletzt veröffentlichten Artikeln - mehr aber auch nicht.
FAZ
Auch die FAZ fasst in ihrem Dossier zunächst die zur EU-Erweiterung erschienen Artikel
zusammen. Außerdem bietet sie in ihrer Bildergalerie eine kleine Erkundungsreise durch die
Hauptstädte der zehn neuen Länder. Das Angebot setzt keine eigenen Akzente, der versprochene
Überblick über die neuen Länder bleibt oberflächlich.
SPIEGEL
Kurz, prägnant und bebildert kann man sich im "Portrait" informieren. Etwas weiter unten
in der rechten Spalte kann man im "Länderlexikon" die wichtigsten "technischen Daten" der
Länder inklusive Nationalhymne abrufen, wie sie auch im Spiegel-Jahrbuch stehen (und
deshalb mit Stand August 2003). Außerdem gibt es eine Übersicht über zuletzt erschienene
Artikel. Umfangreich ist das Angebot nur in Bezug auf technische Daten. Von den Menschen
erfährt man jedoch nicht viel.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Unter dem Dossiertitel "Willkommen im Club" verspricht die SZ Kurzporträts. Doch die Kurzporträts
sind in Anbetracht der anderen Online-Informationsmöglichkeiten keinen Klick wert.
Unter "Großbaustelle Europa" möchte sie darüber hinaus über die EU aufklären. Aber wer
sich über die Institutionen der EU informieren will, ist bei europa-digital besser aufgehoben ;-)
Das Dossier passt leider nicht zum eigentlichen Standard der Zeitung.
ORF
Von den fünf Themen der Hauptmenüleiste, stellen nur "Die wichtigsten Links" (eine gute
Zusammenstellung) sowie "EU+10" ein eigenes Angebot dar. Die Navigation ist verwirrend, zudem
ist bei manchen Links das Thema dahinter nicht erkennbar. Zurück zur Übersicht gelangt man
im Zweifel über den blauen Kasten "EU+10". Besonderheit:
Wer sich für die Literatur der neuen Länder interessiert, findet Artikel zum Thema,
sowie eine Liste ins Deutsche übersetzter Werke. Wer jedoch gezielt nach
Länderinformationen sucht, wird andere Websites vorziehen.
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Die NZZ bietet ihren Lesern im eigentlichen Angebot nichts Besonderes zum Thema Erweiterung.
Allerdings beschäftigt sich die Edelbeilage NZZ-Folio im April mit dem Thema - eine
Reihe interessanter literarischer Artikel findet man hier in karger Aufmachung.
Sie geben gute Einblicke, den Überblick kann man sich hier jedoch nicht verschaffen.
PHOENIX
Der Sender war mit seinem Themenschwerpunkt "Europa wird größer" oder auch
"Europa wächst zusammen" schon vor einem Jahr online, seitdem hat sich nicht mehr viel getan.
Es gibt Kommentare verschiedener Europapolitiker, Ländersteckbriefe, einen Artikel zu
europäischen Symbolen und zur Geschichte der EU. Der Link zum Europa-Diskussionsforum führt
ins Leere. Die Länderinfos sind insgesamt zu schwach und die Kommentare zu lang. Die Links
verweisen fast nur auf die offiziellen Websites.
FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Das Dossier enthält die FTD-Artikel, die die Erweiterung unter sieben ausgewählten
Schwerpunkten wie Wachstum Ost, Finanzmärkte, Energie und Verkehr analysieren.
Interessant ist dieses Dossier vor allem in Bezug auf die Chancen für die deutsche
Wirtschaft.
DIE WELT:
Die Welt hat kein eigenes Dossier zur EU-Erweiterung. Allerdings macht sie dies durch eine
ständige Sparte zum Thema Europa teilweise wett. Hier sind aktuelle und auch einige Tage
zurückliegende Artikel zu finden - vorausgesetzt, man hat sich als Online-Leser einmal
registrieren lassen.
BERLINER ZEITUNG
... bietet unter "Europa 2004" die zuletzt zu Europa erschienenen Artikel. Es fehlt jede
auf die Beitrittsländer bezogene Systematik der Information.
Bei folgenden Websites haben wir vergeblich nach aufbereiteten Informationen zur
EU-Erweiterung und vor allem zu den neuen Ländern gesucht.
Der Standard
taz
DeutschlandRadio
|
Erstveröffentlichung am 21.4.2004 |
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