EUROPA AKTUELL

  • Yvonne von Hunnius
 
Die Erweiterung der Feierzone
Zittau liegt seit dem 1. Mai wieder mitten in Europa

Die Lausitz zeichne sich vor allem dadurch aus, am Rand zu liegen, schreiben aktuell die Dresdner Neuesten Nachrichten. Da haben sie in Zittau was verpasst. Aus der Lausitz schien am Wochenende des 1. Mai durch die Feierlichkeiten zur EU-Osterweiterung der Nabel Europas geworden zu sein - dauerhaft. Auf lange Sicht scheint dies nicht allzu übertrieben, da die Region einst auf der transeuropäischen Linie Berlin-Prag-Wien mit zu den mächtigsten Handelszentren zählte.

Zittau ist mittendrin. Das Dreiländereck Tschechien, Polen und Deutschland mit dem Grenzfluss der Neiße bot eine perfekte Kulisse für die drei Tage währenden Festivitäten. Rund 300.000 Besucher überschritten unzählige Male die Neiße, um nicht nur das Bier in allen drei Ecken zu testen.

Die Polit-Prominent freut sich artig über die Erweiterung

Am 1. Mai schließlich richteten sich gegen Mittag alle Augen auf die Deutsche Seite. Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Kollegen Vladimir Spidla (Tschechien) und Leszek Miller (Polen) hissten gemeinschaftlich die europäische Flagge. Die drei Staatsmänner sowie EU-Erweiterungskommissar Günther Verheugen und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt freuten sich in ihren Festansprachen artig über die Osterweiterung. Ohne Synchronübersetzung in jeweils zwei weitere Sprachen blieb den Menschen vor der Bühne zwar der Zugang zu den Reden derjenigen verwehrt, deren Sprache sie nicht mächtig waren, doch was soll's. Alle haben sich gefreut.

Schröder hob besonders den Verdienst seines Freundes Verheugen hervor. Verheugen wiederum versprach dem inzwischen aus dem Amt geschiedenen Miller den Eingang in die Geschichtsbücher. Artig waren auch die drei Jungendlichen eines in Zittau abgehaltenen Seminars des Deutsch-Polnischen Jugendwerks. Clever hatten sie ihre kurzen Ansprachen gleich vereinheitlicht, so dass am Ende jeder wusste, dass den Staatsoberhäuptern ein Papier ihrer ausgearbeiteten Europavisionen überreicht wurde.

Nach den Reden warteten schon die Helikopter

Man hatte es eilig. Das "Ensemble Modern" ließ sich mit seiner für die Masse schwer verdaulichen Musik zwar nicht hetzen, dafür hetzten die Herren umso mehr. Auf Schröder und Verheugen warteten gleich drei Helikopter auf der grünen Wiese, um sie zu den offiziellen EU-Feierlichkeiten nach Dublin zu fliegen. Miller und Spidla stiegen nicht ein. In Polen war es auf beträchtlichen Widerstand gestoßen, dass Miller sich zu Schröder in seinen Helicopter gesellen wollte.

Dergleichen Animositäten sprechen nicht für eine allzu enge Kooperation zwischen den Staaten. Es bleibt zu hoffen, dass die viel gerühmte Einheit in der Vielfalt von Bestand ist. Die Besucher des Dreiländerecks wussten sie am Dreiländereck zu schätzen: Nicht nur war das Bier in Tschechien und Polen um die Hälfte billiger als auf der deutschen Seite, sondern dort ging es auch weit weniger artig zu. Regionale Bands verstanden es besser als das "Ensemble Modern", für eine begeisternde Atmosphäre zu sorgen. Man darf sich über die Erweiterung der Feierzone freuen.

 Erstveröffentlichung am 3.5.2004


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  • Das Auswärtige Amt zur EU-Erweiterung
  • Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zur EU-Osterweiterung
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