EUROPA AKTUELL
- Jan Franke.
"Broadband Gap": Schneller Anschluss gesucht
Längst nicht alle EU-Bürger können Breitband-Internetverbindungen nutzen. Gegenüber dem Weltmeister Dänemark bleiben viele Regionen, insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten, zurück. Aber auch in Deutschland gibt es Verbesserungsbedarf. Die EU-Kommission will etwas dagegen tun und hat im November 2007 entsprechende Vorschläge vorgestellt.
In einer regelmäßig erhobenen Statistik über die Verbreitung von HighSpeed-Internetanschlüssen stellte die Kommission große Unterschiede fest. Das Ergebnis: Nur 18,2 Prozent aller EU-Bürger besitzen einen Breitbandanschluss. Bulgarien ist mit 5,6 Prozent Schlusslicht in der Informationsgesellschaft, Dänemark mit 37,2 Prozent Spitzenreiter. Deutschland liegt mit 21,1 Prozent im Mittelfeld. Das sogenannte "Broadband Gap" umschreibt die Unterschiede in der Verteilung, die zwischen den von Highspeed-Internet profitierenden und den von diesem Angebot ausgeschlossenen Regionen bestehen.
Die größten Hindernisse bei der flächendeckenden Versorgung mit leistungsfähigen Anschlüssen sind dabei eine unzureichende staatliche Regulierung des Marktes und damit einhergehend fehlender Wettbewerb. Neue Unternehmen haben kaum eine Chance, den großen Telekommunikationsunternehmen Paroli zu bieten. Dies gilt insbesondere für Bereiche, in denen die benötigte Infrastruktur, etwa die Telekommunikationsnetze, fast ausschließlich in der Hand weniger Monopolisten ist. Zu wenige Alternativen zum Klassiker "Digital Subscribers Line" (DSL), etwa Funknetze oder Satellitenverbindungen, und hohe Kosten bei der Verlegung herkömmlicher Netze sind weitere Stolpersteine.
Ausschluss aus der Informationsgesellschaft
Eine leistungsfähige europäische Breitbandlandschaft weiter zu entwickeln sei jedoch unverzichtbar, um die sogenannten Lissabonziele zu erreichen, betont die Kommission. Beim Lissaboner EU-Gipfel im März 2000 hatten sich die Staats- und Regierungschefs das Ziel gesetzt, die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Doch die Wettbewerbsfähigkeit der Union nähme durch das europäische "Broadband Gap" Schaden, beklagt die Kommission.
Es droht ein Kommunikations- und Informationsprekariat: Multimediale Dienste können nicht genutzt werden, europäische Bürger ohne Breitbandanschluss stehen bei der Weiterentwicklung einer globalen Wissens- und Kulturgemeinschaft im Abseits. Auch der jährliche wirtschaftliche Schaden durch den Ausschluss wiegt schwer. Vor allem das Wachstum von eCommerce oder der Unterhaltungsbranche wird gehemmt. Insgesamt beziffert die Kommission den Wert dieser unerschlossenen Wachstumsbereiche auf mindestens 35 Milliarden Euro, wie aus dem Positionspapier "An der Informationsgesellschaft teilhaben" hervorgeht.
In Deutschland waren zwar im Juli 2007 bereits über 17 Millionen Breitbandanschlüsse vorhanden. Dennoch schreitet die Marktliberalisierung nach Ansicht der Kommission auch hier zu langsam voran. Hierzulande wird weiterhin auf eine durch Monopolisten hergestellte Infrastruktur gesetzt und die betroffenen Regionen werden aufgefordert, sich selber um die Schließung von Versorgungslücken zu bemühen. Doch gemeinsame Anstrengungen der betroffenen Städte, Landkreise und Gemeinden stecken noch in den Kinderschuhen. Auch in der Bundesrepublik vergrößert sich so die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land. Bundesweit haben eine halbe Million Haushalte nicht die Möglichkeit, einen Breitbandanschluss zu erwerben, rund 700 Gemeinden sind nicht an die Breitbandinfrastruktur der Telekommunikationsanbieter angeschlossen.
Veröffentlicht am 18.1.2008
Service zum Artikel
Links ins Internet
- EU-Kommission: Offizielle Infos zum Thema "Breitband" (en)
- EU-Kommission: Website der Konferenz "Bridging the Broadband Gap" (en)
- EU-Kommission: Mitteilung "An der Informationsgesellschaft teilhaben (PDF)
- EU-Kommission: Studie "Broadband Access in the EU" (en - PDF)
- Verband europäischer Betreiber von Telekommunikationsnetzen (ETNO): EC proposals do not address main challenges of today’s markets – focus on separation risks undermining investment and long-term competition in Europe (Pressemitteilung, en)
- Verband neuer Marktteilnehmer im Bereich Telekommunikation (ECTA): New regulatory framework is best package to deliver Europe's broadband future (Pressemitteilung, en)
- European School of Management and Technology: Studie "Analysing the Relationship Between Regulation and Investment in the Telecom Sector" (en - PDF)
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