EUROPA AKTUELL

  • Juliane Gau
 

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Der Informationsdienst "Europe Direct" erwartete hohen Besuch: Margot Wallström, EU-Kommissarin für Institutionelle Beziehungen und Kommunikationsstrategie, hat ihn am Donnerstag (15.12.2005) besucht und mit den Mitarbeitern auf die 100.000 Informationsanfrage in diesem Jahr angestoßen - ein neuer Rekord.

Wallström traf dort auch die 100.000. Nutzerin des Dienstes: die Polin Malgorzata Jagóra hatte sich mit einer Frage zu Einfuhrzöllen für Möbel an den Informationsdienst gewandt. "Niemals zuvor ist die EU in diesem Maße in Frage gestellt worden und gleichzeitig so notwendig gewesen wie jetzt", meinte Margot Wallström, "und es ist von größter Bedeutung, mit den Bürgern und Bürgerinnen auf eine für diese verständliche und relevante Art und Weise zu kommunizieren".

"Europe Direct" bietet Bürgern aus der gesamten Europäischen Union einen kostenlosen Telefon- und eMail-Dienst sowie eine Online-Hilfe, um Fragen zur EU und ihren Politiken zu beantworten: Kann ich als Deutscher in Spanien Arbeitslosengeld beziehen, um dort Arbeit zu suchen? Welche Ansprüche habe ich, wenn mein Ferienflieger drei Stunden Verspätung hat? Auch zur Verfassung kommen natürlich viele Fragen, die der Dienst beantwortet.

Wanzen in den Zähnen

Die Nutzer sind zahlreich und sehr verschieden: Anfragen von wütenden Sechsjährigen zu einem angeblich geplanten Verbot von Überraschungseiern kommen ebenso vor wie von Lehrern, Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden, Rentnern, Beamten, Studenten. In den Fragen spiegelt sich oft das aktuelle Geschehen wieder, etwa die Diskussion um den eventuellen Beitritt der Türkei zur EU, das Handelsembargo gegen Importe aus China oder die Vogelgrippe.

Auch Skurilles bleibt den Mitarbeitern nicht erspart: so behauptete ein Benutzer standhaft, Zahnärzte hätten ihm Abhörwanzen in die Zähne eingesetzt - und er verlangte, dass die EU nun etwas dagegen unternehme. Normalerweise betreffen die meisten Fragen aber die EU-Institutionen ("Wer hat 2007 die Ratspräsidentschaft inne?") oder den Bereich Beschäftigung und Soziales ("Was passiert mit meiner Rente, wenn ich in Polen und Finnland gearbeitet habe, und ich im Ruhestand in Italien lebe?").

Was macht die EU eigentlich?

Es käme auch häufig vor, dass "die Leute nicht genau wissen, wofür die EU zuständig ist und wofür nicht", meint ein Mitarbeiter des Dienstes. Sein Job ist es dann, uneinsichtigen Anrufern mit einer Engelsgeduld zu erklären, dass die EU zum Beispiel bei reinen Nachbarschaftsstreitigkeiten nicht eingreifen kann. Obwohl eine Verallgemeinerung natürlich nicht möglich sei, sind "die Deutschen eher bekannt dafür, alles ganz genau und detailliert wissen zu wollen, während andere mit allgemeinen Informationen zufrieden sind".

"Europe Direct" kann Hilfestellung im EU-Dschungel geben, aber alle Erwartungen kann der Dienst nicht erfüllen: so wie die Bitte eines Studenten, seine gesamte Magisterarbeit zum Thema EU durchzulesen und zu verbessern. Die Anfragen werden in allen Amstssprachen der EU bearbeitet, und natürlich kommen zum Beispiel Fragen via eMail nicht nur aus den Mitgliedstaaten, sondern aus allen Teilen der Welt.

Ausgeprochen spezifische oder politisch sensible Fragen leiten die Mitarbeiter an die Generaldirektion Presse und Kommunikation der Europäischen Kommission weiter, die diese entweder direkt oder in Zusammenarbeit mit den zuständigen Dienststellen behandelt. "Europe Direct" verweist auch an andere spezialisierte Dienste, etwa den "Wegweiserdienst für Bürger".

Während des britischen EU-Vorsitzes im Juni 1998 haben der damalige Kommissionspräsident Jacques Santer und Premierminister Tony Blair "Europe Direct" ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 2000 ist der Dienst in den 15 "alten" EU-Mitgliedstaaten tätig und seit dem 1. Mai 2004 steht die gebührenfreie Rufnummer 00 800 6 7 8 9 10 11 auch den Bürgern in den zehn "neuen" Mitgliedstaaten zur Verfügung.

Erstveröffentlichung am 13.12.2005