EUROPA AKTUELL

  • Kristina Guth

In Gummistiefeln zum 3. Platz im Rennen um den Jugendkarlspreis

Gymnasium aus Soest gewinnt den 3. Preis beim Europäischen Jugendkarlspreis 2009

Vierzig Schüler und eine Handvoll Lehrer waten durch die westfälische Lippeaue. Das Gras ist hoch und der Boden tückisch. Da bleibt schon mal der eine oder andere Gummistiefel im Boden stecken. Das stört die Schüler jedoch nicht, denn schließlich handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Ausflug in die Natur. Die Schülerinnen und Schüler stammen aus vier verschiedenen Nationen und befinden sich in einem Arbeitseinsatz. Sie nennen sich die Diplomaten in Gummistiefeln und untersuchen das renaturierte Gebiet der Lippeaue.

Szenen aus einer von Schülern des Conrad-von-Soest Gymnasiums gedrehten Dokumentation über die internationale Begegnung. 10 Tage lang war das Gymnasium im Herbst 2007 Gastgeber für Schüler aus Polen, Ungarn und den Niederlanden. Gemeinsam haben sie unter dem Projekttitel »Oberkante - UnterLippe« ökologische und biologische Feldstudien betrieben. Hintergrund war die zunehmende Gefahr von Hochwassern und die Frage, wie dem abgeholfen werden kann. Ganz nebenbei haben sie zur europäischen Verständigung beigetragen. Aus diesem Grund erlangte das Soester Gymnasium den dritten Platz bei der Verleihung des Europäischen Jugendkarlspreis am 19. Mai 2009 in Aachen.

Bereits seit 15 Jahren tritt die Bio-AG des Conrad-von-Soest Gymnasiums gemeinsam mit ihren internationalen Partnern für den Umweltschutz ein. Alle zwei Jahre kommt es zu gemeinsamen Treffen der Schüler, jeweils in einer der Partnerstädte. Untersucht werden ökologische Themen, an denen die Schüler mit wissenschaftlichem Anspruch arbeiten, wie Dr. Benno Dalhoff, einer der beiden Leiter der Bio-AG betont. »Wir verstehen uns als Botschafter unserer Länder und Europas und wollen mit unseren ökologischen Untersuchungen dazu beitragen, die Zukunft Europas sichern«.

Aus ihren Untersuchungen entwickeln die Schüler politische Forderungen, bei deren Durchsetzung sie schon einige Erfolge verbuchen konnten. Die Renaturierung des Soestbach in ihrer Heimatstadt geht zu einem großen Teil auf ihr Konto.

Für ihr Engagement wurden die Schüler bereits mehrfach ausgezeichnet. 2008 erhielten sie eine Auszeichnung der Robert Bosch Stiftung, den Soester Bürgerpreis und konnten Siege und Platzierungen bei Regional- und Landeswettbewerben von »Jugend forscht« für sich verbuchen. 2000 bekam die Bio-AG sogar den Westfälischen Friedenspreis. Das Preisgeld von 25.000 Euro nutzen die jungen Diplomaten unter anderem dazu, ihre osteuropäischen Freunde bei Reise- und Unterkunftskosten zu unterstützen.

Beweis dafür, dass neben der wissenschaftlichen Arbeit bei den internationalen Kooperationen natürlich auch der soziale Austausch nicht zu kurz kommt. Vor und nach den Exkursionen bleiben die Schüler per Email in Kontakt. Auf Englisch, denn das ist die Arbeitssprache. Darüber hinaus kommt es immer wieder zu privatenTreffen, da sich auch echte Freundschaften und Partnerschaften aus den bisherigen acht Projekten ergeben haben.

In Zukunft soll es über die Grenzen Europas hinausgehen

Für die Zukunft verfolgt die Soester Schule ambitionierte Pläne. Nichts weniger als eine Exkursion in die Arktis ist geplant, um sich dort mit dem Themenbereich Klima auseinanderzusetzen. Laut dem AG-Leiter Benno Dalhoff und Ulrich Delbrügger steckt das Projekt zwar noch in den Kinderstiefeln, die Chancen für einen 14-tägigen Aufenthalt auf dem Forschungsschiff Polarstern stünden aber gut. Jahrelanger Einsatz und Erfolge haben der Schule gute Kontakte verschafft, die ihr heute ganz neue Perspektiven eröffnen.

Neben den ökologischen Projekten arbeitet das Soester Gymnasium in einer binationalen Kooperation auch an historischen Studien. 2008 veröffentlichten Schüler aus Soest und dem polnischen Strzelce Opolskie ihre Arbeiten zum Thema »Vom Totalitarismus zur Demokratie«. Im Fokus stand dabei der Lebensalltag in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach Ende des Kalten Krieges. Auch diese Arbeiten gehörten zu dem prämierten Projekt »Diplomaten in Gummistiefeln«.

Die Preisträger

Gewonnen hat bei der Verleihung des Jugendkarlspreis der polnische Beitrag »YOUrope needs YOU«. Bei dem Projekt vermittelten Studierende in Workshops mit polnischen und französischen Schülern Wissenwertes über Europa. Platz 2 ging an das Europäische Theaterfestival der Universität von Albi aus Frankreich. Die Beiträge reichten von grenzüberschreitenden Planspielen bis zu Musikprojekten und Jugendcamps. Jeder der 27 EU-Mitgliedsstaaten hatte der internationalen Jury aus drei Abgeordneten und dem Präsidenten des Europäischen Parlaments sowie Vertretern der Karlspreisstiftung ein Projekt vorgeschlagen.

Traditionell wird am Christi Himmelfahrtstag im Krönungssaal des Rathauses auch der Internationale Karlspreis zu Aachen vergeben. Der italienische Historiker und Gründer der katholischen Laienbewegungen Sant´Egidio Prof. Dr. Andrea Riccardi erhält die Auszeichnung für sein herausragendes zivilgesellschaftliches Engagement. Riccardi sei ein großer Europäer, »der mit leidenschaftlichem Engagement für die Verständigung über alle konfessionellen und nationalen Grenzen hinweg eintritt und der mit der Gemeinschaft Sant´Egidio einen bedeutenden Beitrag für eine friedlichere und gerechte Welt leistet«, so das Karlspreisdirektorium in seiner Würdigung des Preisträgers.

Veröffentlicht am 22.5.2009