EUROPA AKTUELL

  • Sven Prange
 

Alcide de Gasperi - Italiens Europa-Visionär

In Italien stand er am Ende mit dem Rücken zur Wand. Vor allem im europäischen Ausland ist er dagegen als einer der Väter der Europäischen Gemeinschaften in Erinnerung gebliebe. Alcide de Gasperi führte sein Land aus der außenpolitischen Isolation in die EU und sorgte maßgeblich mit für den Beginn der europäischen Einigung.

Der Start der europäischen Einigung war sozusagen der letzte Akt eines politisch aufregenden Lebens. Drei Jahre nach Inkrafttreten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl starb der Südtiroler 1954. Neun mal hatte er bis dahin als Ministerpräsident einem italienischen Kabinett vorgestanden, hatte sein Land nach der Befreiung von der Mussolini-Diktatur in Richtung Westen ausgerichtet, und maßgeblich die europäische Zusammenarbeit gefördert.

Dabei hatte es zwischenzeitlich für den Politiker de Gasperi alles andere als gut ausgesehen. Nachdem der gelernte Journalist zunächst für die Machtübernahme Mussolinis gestimmt hatte, wurde 1926 von dessen Regime zu vier Jahren Haft verurteilt. Desillusioniert von der Politik des "Duces" hatte er ein Bündnis seiner Christdemokraten mit den Sozialisten zur Abwahl Mussolinis angestrebt.

Nach dem Krieg die Westbindung gesucht

Aus dem Gefängnis entlassen, begab der überzeugte Katholik sich in den schützenden Schoß des Vatikanstaats - und entzog sich so dem Zugriff der Faschisten. Nach deren Entmachtung belebte de Gasperi seine christdemokratische Partei neu und mauserte sich zum wichtigsten italienischen Nachkriegspolitiker. Entgegen Forderungen aus dem linken politischen Lager suchte er den Kontakt zu den USA - Italien sollte in den Genuss des Marshall-Plans kommen und später zu den Gründungsstaaten der NATO gehören.

Da hatte sich in seinem Kopf schon längst die Idee eines vereinten Europas entwickelt. Bereits Ende der 40er Jahre saß der enge Freund des Franzosen Robert Schuman und des Belgiers Paul Henri Spaak im Vorstand der Europäischen Bewegung, hatte einen Sitz im Ministerkomitee des Europarats. Zusammen mit Robert Schuman hatte er großen Anteil an der Verwirklichung des Schuman-Plans zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

De Gasperis letzter politischer Wunsch blieb dagegen unerfüllt. 1952 engagierte der italienische Dauer-Regierungschef sich bei der Ausarbeitung der Verträge zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, die aber letztendlich scheiterten. Wegen unerfüllter Wahlversprechen in Italien, musste er dort 1953 nach einer schweren Wahlschlappe von seinen Ämtern zurücktreten. Ein Jahr später verstarb er im Alter von 73 Jahren in Sella di Valsugana.

 Erstveröffentlichung am 07.03.2004


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Links ins Internet:
  • Karlspreis-Website: Der Karlspreisträger 1952 - Alcide de Gasperi
  • Weltchronik.de: Alcide de Gasperi
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