EUROPA AKTUELL

  • Sven Prange
 

Francois Mitterand - der Währungsmacher

Die Bilder gingen um die Welt: Der deutsche Kanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterand Hand in Hand. Dabei galt die Geste wohl hauptsächlich der Außendarstellung. Innerlich blieb der französische Staatsmann bis zu seinem Tod den östlichen Nachbarn zutiefst skeptisch gegenüber. Dennoch gilt er als einer der Großen EUropas. Er brachte maßgeblich die Währungsunion mit auf den Weg.

Dabei leitete den Ex-Widerstandskämpfer gegen das NS-Besatzungsregime in Frankreich nicht so sehr die Sorge um das Wohl Europas, sondern vielmehr die Angst vor einem widererstarkenden Deutschland. Bis zuletzt hatte sich Mitterand, seit 1981 französischer Staatspräsident, gegen die deutsche Wiedervereinigung gewehrt. In der Zeit unmittelbar vor dem Zerfall der DDR entfachte der Träumer einer französischen Weltmachtrolle noch eine hektische Reisediplomatie, um in der Sowjetunion, Großbritannien und den USA gegen eine deutsche Wiedervereinigung mobil zu machen.

Als das misslang, drängte Mitterand auf eine Währungsunion. Die europäische Bindung der D-Mark, so sein Plan, solle Deutschland an einem Aufstieg zur europäischen Führungsmacht hindern. Schließlich sei die D-Mark Deutschlands wichtigstes außenpolitisches Instrument. Außerdem hoffte Mitterand mit einer Einheitswährung Ideale à la Maggy Thatcher vom Kontinent fernzuhalten. "Die Hauptfrage der Europapolitik liegt darin, eine monetäre Übereinstimmung mit Deutschland zu erzielen, damit wir uns einen Konflikt mit Großbritannien leisten können", soll er gesagt haben.

Verdrängte Vergangenheit

Zu diesem Zeitpunkt hatte der 1916 in der französischen Provinz geborene Sozialist in Frankreich schon viel von seiner Popularität eingebüßt. Immer schwierige war es für Mitterand geworden, seine Vergangenheit unter den Teppich zu kehren. Denn bevor er während der Besatzung Frankreichs im zweiten Weltkrieg in den Widerstand ging, hatte er durchaus mit dem nazi-treuen Vichy-Regime kollaboriert. Auch später durchwanderte der Katholik noch mehrere politische Lager, arbeitete unter anderem für de Gaulle, bevor er schließlich bei den Sozialisten heimisch wurde.

Als Mitterands Anfänge bekannt wurden, hatte sein Ruf in Frankreich schon genug gelitten. Zahlreiche Affären und Finanzskandale sorgten für Schlagzeilen. Dennoch gelang des Mitterand immer wieder, sich als großer Staatsmann und Europäer in Szene zu setzen. Dabei halfen ihm neben seinem Engagement für die Währungsunion auch sein Werben für den Vertrag von Maastricht und sein Einsatz für eine gemeinsame europäische Außenpolitik.

Das war Anfang der 90er Jahre. Da war Mitterand körperlich bereits ein Wrack. Noch bevor er 1981 in den Elysée-Palast einzog wurde bei ihm Prostata-Krebs festgestellt. Fast schon bewundernswert gelang es Mitterand, das während zwei Amtszeiten zu verheimlichen. 1996 starb Francois Mitterand an seinem Krebsleiden.

 Erstveröffentlichung am 8.3.2004


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