EUROPA AKTUELL

  • Sven Prange
 

Jean Monnet - der geistige Vater EUropas

Als Robert Schuman 1950 die Pläne für eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl der Öffentlichkeit vorstellte, präsentierte er im Wesentlichen das Werk eins anderen. Entwickelt worden war die Idee von seinem Landsmann Jean Monnet. Der avancierte später zu einem praktisch wichtigsten Gründungsväter EUropas. Später erhielt er den Aachener Karlspreis und wurde Ehrenbürger Europas. Heute sind zahlreiche Lehrstühle und Institutionen, die sich mit europäischen Fragen beschäftigen, nach ihm benannt.

Der 1888 im französischen Cognac Geborene gilt als geistiger Vater der Europäischen Gemeinschaft. Von 1952 bis 1954 führte er die Geschäfte der frisch gegründeten Montanunion. Ähnlich wie bei dem späteren französischen Präsidenten Francois Mitterand war es auch bei Monnet nicht die Sorge um das Wohl Europas, das ihn zu einem glühenden Verfechter der europäischen Einigung machte. Vielmehr spielte auch bei dem Mitarbeiter Robert Schumans die Angst vor den deutschen Nachbarn eine Rolle.

"Wir müssen uns möglichst eng an Deutschland binden und unseren anderen Nachbarn ermöglichen, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen", entwickelte Monnet Anfang der 50er Jahre als Strategie gegen ein deutsches Wiedererstarken. Langfristig müsse so ein Europa des Wohlstands und des Friedens entstehen. Sein Rezept dafür: Die Montanunion, also das gemeinsame wirtschaften mit Kohle und Stahl.

Dieser integrative Ansatz war für Monnet nicht neu. Zwischen 1920 und 1923 hatte er bereits als Generalsekretär des Völkerbundes, dem Vorgänger der UNO, gearbeitet. Während des zweiten Weltkrieges leitete er dann den britisch-französischen Koordinierungsausschuss für die Kriegswirtschaft.

Für Jean Monnet war die Montanunion lediglich ein erster Schritt. Während und nach seiner Zeit an der Spitze der Montanunion setzte der Franzose sich unermüdlich weiter für ein Ziel ein, dass er gerne die "Vereinigten Staaten von Europa" nannte. Dazu kam es während seiner Lebzeit jedoch nicht mehr. 1975 zog sich Jean Monnet von seinen politischen Ämtern zurück. Ein Jahr später ehrten die Staats- und Regierungschefs EUropas den engagierten Verfechter einer integrierten EU mit dem Titel "Ehrenbürger Europas." 1979 verstarb Monnet in Paris.

 Erstveröffentlichung am 8.3.2004


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Links ins Internet:
  • Deutsches Historisches Museum: Jean Monnet
  • Friedrich Ebert Stiftung: Rede Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt am 29. Mai 1997 in Paris: Jean Monnet und das neue Gesicht Europas nach dem Zweiten Weltkrieg

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