- Tobias Daniel.
EUROPA AKTUELL

Väterchen Frost und das Schneemädchen
In Russland und der Ukraine werden Weihnachten und Silvester üblicherweise erst 13 Tage später gefeiert als im "übrigen" Europa - sprich am 6. Januar bzw. am 13. Januar. Hintergrund ist die Tatsache, dass die orthodoxen Weihnachten noch nach dem julianischen Kalender gefeiert werden - und nicht nach dem gregorianischen Kalender von 1582.
Während der Sowjetzeit wurde Weihnachten lange Zeit unterdrückt. So sollte das christliche Fest nach der Oktoberrevolution 1917 durch das eher atheistische Jelkafest ersetzt werden. Mit dem Ende der Sowjetunion besinnt man sich in den Nachfolgestaaten der UdSSR zunehmend wieder auf die orthodoxen Werte des Weihnachtsfestes. So werde zunächst am 24. Dezember das "katholische" Weihnachten und am 31. Dezember das Jelka- oder Tannenbaumfest gefeiert - am 6. Januar folgen das traditionelle orthodoxe Weihnachtsfest, am 13. Januar wird dann das "Alte Neujahr" gefeiert.
Jahrhundertealte Bräuche und Riten
Bereits im zaristischen Russland war keine Jahreszeit so reich an Bräuchen und Riten wie "Swjatki" - die zwölf Tage zwischen dem 25. Dezember und dem 5. Januar. So waren zahlreiche heidnische Traditionen wie Wahrsagerei, Maskenfeste und Tänze so weit verbreitet, dass sich selbst russische Herrscher wie Iwan IV. ("der Schreckliche") und Zar Peter I. der Große daran beteiligten.
Heute wird Weihnachten zwar ruhiger im Familienkreis begangen. Doch unterscheidet es sich immer noch recht deutlich von den Bräuchen im restlichen Europa. Lediglich das Jelka- oder Tannebaumfest am 31. Dezember ist dem modernen Weihnachten noch am nächsten. So bringt der "Ded Moros" (Väterchen Frost) - bekleidet mit roter Robe und weißem Bart - den Kindern an diesem Abend ihre Geschenke. Begleitet wird er von seiner Enkelin "Snegurotschka" (Schneemädchen oder Schneeflöcken). Der Legende nach reitet Väterchen Frost in einer Troika - einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird.
Weihnachten im Familienkreis
Anders als im restlichen Europa kennt man in der orthodoxen Weihnachten keinen Heiligen Abend und keine Weihnachtslieder. So werden am 6. Januar traditionell Verwandte und Freunde empfangen. Nach langen und feierlichen Gottesdiensten kommt man zum Weihnachtsessen zusammen, dass aus traditionellen russischen Salaten und Kutja - einem sehr alten breiähnlichen Gericht aus Weizen oder anderen Getreidekörnern besteht.
Weihnachten in der Ukraine
In der Ukraine gilt das orthodoxe Weihnachtsfest am 6. Januar als Familienfest. So versammeln sich am 6. Januar meist die "engen" Verwandten zum Weihnachtsfest. Als Festessen werden in Erinnerung an die zwölf Apostel Christi zwölf Fastenspeisen aufgetischt. Unter die Tischdecke und auf dem Fußboden wird Heu gelegt - in Erinnerung an die Geburt Christi in einem Stahl. An den Tischecken werden zudem Knoblauch und Walnüsse unter die Tischdecke gelegt - dies soll den Zusammenhalt der Verwandtschaft und die Gesundheit eines jeden Familienmitglieds symbolisieren. Nach dem Essen sind Weihnachtslieder und Kinderspiele sehr beliebt.
Der erste Weihnachtstag ist meist eine Mischung aus heidnischen und christlichen Elementen. Am Morgen steht zunächst der Gottesdienst auf dem Programm - nach der Messe versammelt sich die Familie zum Mittagessen, bei dem Fleischspeisen gereicht werden. Am Vormittag darf eine Familie jedoch nicht von weiblichen Personen besucht werden, da dies Unglück und Probleme für das kommende Jahr bedeuten würden. Der zweite Weihnachtstag am 8. Januar ist üblicherweise der Tag der "Sternensänger".
Veröffentlichung am 20.12.2007
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