DAS DSCHUNGELBUCH

  • Ulla Weinberg

Das Europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP)

Das Europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung (Centre Européen pour le Développement de la Formation Professionelle) - kurz CEDEFOP - wurde 1975 als unabhängiges Organ der damaligen EG begründet.

Ziel des Zentrums war in den Anfangsjahren die Unterstützung der Europäischen Kommission bei der Förderung und Entwicklung von berufsbildenden Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene. Die Mitgliedsstaaten standen der neuen Agentur zunächst zurückhaltend gegenüber, denn Ausbildungspolitik war noch immer sehr stark von nationalen Vorgaben geprägt.

Mit der zunehmenden Integration der Mitgliedsstaaten und der zunehmenden Wichtigkeit der beruflichen Weiterbildung in langfristigen Wirtschaftskonzepten, beispielsweise der Lissabon-Strategie, rückte die Arbeit des CEDEFOP zunehmend in den Vordergrund des Interesses.

Heute versteht sich das CEDEFOP als Einrichtung, die politische Entscheidungsträger in der Kommission, den Mitgliedschaften und anderen relevanten Organisationen bei der Entscheidungsfindung im Bereich der Berufsbildungspolitik unterstützt. Das CEDEFOP übernimmt hierbei vor allem die Rolle der Informationssammlung und -bereitstellung, sowie der Unterstützung des Austauschs auf europäischer Ebene.

Zu den Hauptarbeitsgebieten gehören

  • Weiterentwicklung der Forschung (u.a. durch die Publikation von Zeitschriften und die Organisation von Konferenzen)
  • Berichterstattung über den Status Quo in den verschiedenen Mitgliedsländern und Beitrittskandidaten, sowie die Förderung eines konzertierten Ansatzes in der Berufsbildungspolitik (Sammlung von Best Practice-Richtlinien etc.)
  • Austausch und Unterstützung der Partner (durch Studienbesuchsprogramme etc.)
  • Information und Kommunikation (unter anderem durch die Einrichtung von Wissensmanagement-Systemen und Datenbanken, Veröffentlichungen etc.)

Neben einer Vielzahl von Veröffentlichungen ist eines der wichtigsten Foren des CEDEFOP das virtuelle "Europäische Bildungsdorf" im Internet. Hier kann man Informationen abrufen und austauschen, an virtuellen Konferenzen teilnehmen, und sich auf Mailing-Listen zu bestimmten Themen eintragen.

In der Aufgabenstellung wurde der Beitritt der neuen Mitgliedsstaaten in diesem Jahr zu einer besonderen Herausforderung für das CEDEFOP: Die Berufsausbildungssysteme zwischen west- und Osteuropäischen Mitgliedsstaaten unterscheiden sich zum Teil stark. Als mittelfristiges Ziel für die Jahre 2003-2006 hat sich das Zentrum jedenfalls die "Förderung eines europäischen Raums des lebenslangen Lernens in einer erweiterten Europäischen Union" auf die Fahnen geschrieben.

Das CEDEFOP war übrigens ursprünglich in (West-)Berlin angesiedelt. Im Jahr 1993 beschloss man aber den Umzug ins nordgriechische Thessaloniki und siedelte 1995 um. Die EU-Institutionen sollten möglichst gerecht über die verschiedenen Mitgliedsstaaten verteilt werden, und Deutschland hatte damals bereits die Europäische Zentralbank in Aussicht. Das Zentrum durchlief eine gründliche Umstrukturierung: Zahlreiche Mitarbeiter konnten oder wollten nicht mit nach Griechenland umziehen. Ein externer Report meint hierzu: "Die Sitzverlegung hat das Zentrum fast zerstört, aber sie war zugleich auch fast das Beste, was dem CEDEFOP je widerfahren ist."

Aufbau des Zentrums

CEDEFOP untersteht einem Verwaltungsrat, der sich aus Mitgliedern aller Mitgliedsstaaten, Kommissionsvertretern sowie aus Vertetern der nationalen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen zusammensetzt. Außerdem nehmen noch Beobachter von UNICE, des EGB sowie der EWR-Staaten teil. Der derzeitige Direktor ist der Niederländer Johan van Rens, stellvertretender Direktor der Grieche Stavros Stavrou.

 Erstveröffentlichung am 26.10.2004

Anzeige

Anzeige