Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)
Auch wenn ECDC ganz ähnlich klingt wie ACDC, geht es hier nicht um australischen Hardrock, dafür aber um harte Tatsachen: koordinierte europäische Gesundheitspolitik.
Zu einer vollwertigen Agentur der Europäischen Union wurde das ECDC am 27. Mai 2005 mit der Eröffnung der Zentrale in Stockholm. Das Kernteam bilden derzeit 30 Wissenschaftler, an dessen Spitze die Ungarin Zsuzsanna Jakab als Direktorin des ECDC steht. Die Tätigkeit der Agentur steckt allerdings nicht mehr in den Kinderschuhen: Seit 1999 existiert zwischen verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ein Netzwerk zur Prävention und Bekämpfung von Seuchengefahren, eben genau den Aufgabenbereichen, die nun als feste Einrichtung wahrgenommen werden. Warum diese Umorganisation?
Vom Netzwerk zum Zentrum
Die Erweiterung der EU hat auch das Aufgabenspektrum des Netzwerkes deutlich erhöht: Die schrankenlose, räumliche Ausdehnung geht mit einer steigenden Mobilität und Reisefreudigkeit der EU-Bürger einher. Aus der strengen Sicht eines Mediziners gilt dabei jeder als potentieller Träger/Überträger von Krankheiten, was die Risiken und damit die Notwendigkeit einer guten Organisation in Gestalt eines europäischen Zentrums deutlich macht.
Die Kernziele der ECDC
Eine effektive Prävention und gezielte Eindämmung von Seuchen und Gesundheitsgefahren ist nur mit einem klar strukturierten Programm möglich. Die Themen, mit denen sich die Wissenschaftler des ECDC befassen, sind sehr vielfältig und beinhalten nicht nur die Bekämpfung von akuten Infektionskrankheiten, sondern auch AIDS, Krebs, Drogenabhängigkeit und umweltbedingte Gesundheitsrisiken. Das derzeitige Aktionsprogramm ist für den Zeitraum bis Ende 2007 gültig und basiert auf drei Säulen, die sozusagen die Strategie der ECDC darstellen:- Gesundheitsüberwachung und Informationsaustausch
Im Falle von Krankheitsausbrüchen erleichtert eine aufmerksame Datenerhebung (u.a. Fallzahlen, Todesraten, Überträgerquellen) die rasche Bekämpfung und wirksame Vorbeugung - Schnelle Reaktion auf akute Gesundheitsbedrohungen
Beispielsweise erfolgt eine jährliche Anpassung der Grippeimpfung an den aktuell grassierenden Virus-Stamm - Gesundheitsaufklärung
Gezielte Schulungsprogramme über Hygiene und Verhütungsmassnahmen können v.a. in Entwicklungsländern helfen, Epidemien vorzubeugen oder einzudämmen
Kooperation ist angesagt
Eine ganz wesentliche Rolle für den Erfolg der Arbeit der ECDC spielt die internationale Kooperation: das bedeutet Informationsaustausch und gezielte Zusammenarbeit mit den verschiedensten Gesundheitsbehörden und -organisationen weltweit, etwa mit der World Health Organisation (WHO) oder dem amerikanischen Pendant zur ECDC, dem Centre for Disease Control (CDC).
Wie wichtig diese Zusammenarbeit für schnelle und wirksame Aktionen tatsächlich ist, veranschaulichte 2003 der Ausbruch der hochinfektiösen Lungenkrankheit SARS in Asien. Auch wenn dieser dramatische Fall durchaus einige Schwachstellen des Informationssystems aufgedeckt hat, so hat eine internationale Zusammenarbeit mit Kernorganisationen und Forschungseinrichtungen in aller Welt maßgeblich dazu beigetragen, eine weitere Ausbreitung der Seuche und Einschleppung nach Europa zu verhindern.
Akute Gefahren für unser aller Gesundheit mögen niemals ganz gebannt werden. Eher im Gegenteil: die Zahlen HIV-Infizierter steigen nahezu sprunghaft an, hinzu kommen "neue" Bedrohungen durch bisher unbekannte Krankheiten (z.B. im Zusammenhang mit BSE) und die wachsende Sorge vor möglichen bioterroristischen Angriffen. Die Einrichtung eines festen Zentrums auf EU-Ebene ist daher ein wichtiger Schritt, diesen Herausforderungen ins Auge zu schauen.
Die wesentlichen Ziele der Zukunft werden einerseits der Ausbau der nationalen und internationalen Kooperationen sein, andererseits die schnelle Anpassung der Programme an jeweils akute Bedrohungen. Um für diese Aufgaben bestmöglich gewappnet zu sein, soll das Kernteam bis Ende 2007 auf ca. 100 Forscher aufgestockt werden.
Erstveröffentlichung am 22.6.2005

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