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DAS DSCHUNGELBUCH

  • Markus Spatzierer

Die Europäische Eisenbahnagentur

Die "European Railway Agency" (ERA) zählt zu den Jungspunden unter den EU-Agenturen: erst seit dem Jahr 2006 arbeitet sie daran, die Sicherheit und Interoperabilität der europäischen Eisenbahnen auf ein gemeinsames Niveau zu heben. Daher zählt die ERA zu den Agenturen, die die Funktionsweise des Binnenmarktes erleichtern sollen.

Nach einer zweijährigen Aufbauphase hat die Europäische Eisenbahnagentur im Jahr 2006 Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche von der Europäischen Vereinigung für die Eisenbahninteroperabilität (AEIF) übernommen, deren Mandat 2005 ausgelaufen ist.

Die Organisation

Das oberstes Entscheidungsgremium der ERA ist der Verwaltungsrat. Er besteht aus je einem Vertreter aus einem EU-Mitgliedstaat, vier Vertretern der Europäischen Kommission und sechs Vertretern aus dem Eisenbahnsektor. Unter der Führung ihres leitenden Direktors Marcel Verslype arbeiten rund hundert Mitarbeiter der ERA, vorwiegend Experten aus dem Bahnsektor, an zwei Standorten. Beide Niederlassungen befinden sich in Frankreich: das Hauptquartier hat seinen Sitz in Valenciennes, das Konferenzzentrum im nahe gelegenen Lille.

Die Aufgaben

Die Aufgabe der Agentur ist es, die Mitgliedstaaten technisch bei der Verbesserung der Eisenbahnnetze zu unterstützen. Die ERA arbeitet unter anderem gemeinsame Sicherheitsnormen aus und entwickelt technischen Einzelheiten für die Interoperabilität. Alle zwei Jahre muss die ERA einen Bericht über den Fortschritt ihrer Tätigkeit vorlegen.

Trotz des fortlaufend steigenden Güterbedarfs hat der Schienentransport vor allem im Bereich des Frachtverkehrs einen erheblichen Rückgang zu verbuchen. Die ERA soll dabei helfen, die Bahn in Europa wieder konkurrenzfähig zu machen. Daher fokussiert sie ihre Tätigkeit auf vier Aufgabenbereiche, die sich auch im Organigramm der Agentur wiederspiegeln.

Eisenbahnsicherheit

Die Abteilung für Eisenbahnsicherheit befasst sich mit den Sicherheitsstandards aller europäischen Eisenbahnnetze. Dafür erhebt die ERA das aktuelle Sicherheitsniveau der Eisenbahnen in allen Mitgliedstaaten, um diese bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen anzuheben. Ziel ist, bis 2010 alle Eisenbahnnetze zu evaluieren und gemeinsame Sicherheitslevels und Messmethoden zu definieren. Eine detaillierte Aufstellung dieses Fünf-Jahresplanes findet sich im aktuellen "Work Calendar" der ERA (PDF).

Die Agentur erstellt aber nicht nur die Standards und harmonisiert die Sicherheitsvorschriften, sie überwacht auch deren Einhaltung. Mit Hilfe von vorgegebenen Parametern ("common safety indicators" - CSIs) erfassen die einzelnen nationalen Eisenbahnbetreiber aussagekräftige Daten zum Eisenbahnverkehr in ihrem Netz und übermitteln diese an die ERA. Die ERA führt diese Daten zusammen und liest aus den Ergebnissen ab, welche Maßnahmen sie treffen muss, um das jeweilige Netz zu verbessern. Eine genaue Auflistung dieser Parameter findet sich im Anhang der Eisenbahnsicherheitsrichtlinie (PDF).

Interoperabilität

Diese Abteilung soll die regulatorischen Bedingungen schaffen, um einen sicheren Eisenbahnverkehr ohne Unterbrechungen an den Grenzen zu gewährleisten. Dies gestaltet sich allerdings schwierig: die technische Ausstattung der Eisenbahnnetze unterscheiden sich sehr stark und es zeigt sich eine zersplitterte Gesamtlandschaft, die die ERA Schritt für Schritt vereinheitlichen soll.

Einen Grundstein für die Zusammenführung der Netze legte die "Europäische Vereinigung für Interoperabilität im Bereich der Bahn" (AEIF) im Jahr 2002 mit dem Entwurf der technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSIs). Die ERA fokussiert ihre Arbeit nun auf einheitliche Normen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Personenbeförderung und den in Betrieb befindlichen Fahrzeugen. Außerdem richtet die Agentur eine Registrierungsstelle für alle Waggons und Lokomotiven ein und arbeitet an einer Empfehlung für eine einheitliche Ausbildung des Zugpersonals.

European Rail Traffic Management System (ERTMS)

Die Abteilung ERTMS beschäftigt sich unterdessen mit den unterschiedlichen Signalgebungssystemen, die in Europa im Einsatz sind. Zwanzig an der Zahl verhindern oftmals einen reibungslosen Ablauf: schon bei einer Fahrt von Paris nach Brüssel durchquert der Thalys insgesamt sieben solcher Signalgebungs- und Geschwindigkeitsmesssysteme.

Zur Vereinfachung wurde das ERTMS entwickelt, das sich aus dem "European Train Control Systems" (ETCS) und dem "Global System for Mobile Communications - Railway" (GSM-R) zusammensetzt. Dieses System soll die Kommunikation der Züge mit den einzelnen Eisenbahnnetzen erleichtern.

Wirtschaftliche Gutachten

Anhand der Gutachten aus dieser Abteilung entscheidet die ERA, auf welche Schwerpunkte man sich zukünftig konzentriert. Außerdem überwacht diese Abteilung, wie sich die Schlüsselparameter des Eisenbahnverkehrs verändern und wie sich die getroffenen Maßnahmen in der Praxis auswirken. In enger Zusammenarbeit mit den übrigen Abteilungen dient diese Einheit außerdem als Stabstelle bei der Erstellung von Papieren für die Entscheidungsträger der Agentur.

Zuletzt aktualisiert am 20.3.2007