- Claudia Rittel.
DAS DSCHUNGELBUCH

Die Lebensmittelsicherheit innerhalb der EU
Die Sicherheit der Nahrungsmittel ist ein Thema, das die Verbraucher in der Regel nur selten, dann aber ganz besonderes, interessiert. Zuletzt war es die Umetikettierung von Gammelfleisch, die Ende 2005 den Appetit verdorben hat. 2002 war es der Nitrofenskandal, für den bis heute noch keiner bestraft wurde, und 1996 war es die BSE-Krise. Auch Diskussionen über die Zulassung genetisch veränderter Pflanzen erregen immer wieder die Gemüter.
Die einzelnen Beiträge zur Lebensmittelsicherheit in der EU
In den letzten Jahren hat die Europäische Union ein umfangreiches Regelwerk aus der Taufe gehoben - nicht zuletzt aufgrund der genannten Skandale. Der veterinärmedizinischen und Pflanzenschutzüberwachung, 1997 eingerichtet, ging der BSE-Skandal voraus. Der Nitrofenskandal im Jahr 2002 zog die Bildung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nach sich. Von den heute geltenden Regelungen sind so gut wie alle Stufen des Herstellungsprozesses betroffen. Darüber hinaus enthalten sie eine Reihe von Vorschriften zur Beschriftung der Verpackungen.
"Vom Erzeuger zum Verbraucher"
Leitprinzip der europäischen Lebensmittelpolitik soll ein integriertes Konzept mit dem schönen Namen "Vom Erzeuger zum Verbraucher" sein. Dessen Grundzüge sind hauptsächlich im Weißbuch zur Lebensmittelsicherheit niedergeschrieben, das die Europäische Kommission im Januar 2000 vorgelegt hat. Dieses Konzept soll die verschiedenen Sektoren der Lebensmittelkette möglichst lückenlos erfassen. Dazu gehören die Futtermittelerzeugung, also der Anbau von Pflanzen und Aufzucht von Tieren, und die Primärproduktion, d.h. das Ernten beziehungsweise das Melken, sowie Lebensmittelverarbeitung, -lagerung, -transport und der Verkauf im Einzelhandel. Klare Regelungen sollen für ein hohes Maß an Sicherheit auf allen Ebenen sorgen.
Inzwischen ist es also möglich, die Ware bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Dennoch bleibt es schwierig, eine gute Qualität durchweg sicherzustellen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Hans-Henning Viedt, bemerkte beispielsweise in einer Expertenrunde beim TV-Kanal Phoenix, dass es bei etwa jeder fünften Betriebskontrolle etwas zu beanstanden gäbe. Am sichersten sei es, auf dem Jahrmarkt frische Waren zu kaufen, denn "die Schausteller werden jedes Mal kontrolliert".
Doch die schwarzen Schafe, die gegen die Regelungen verstoßen, riskieren kaum Strafen. Der Chef der Verbraucherrechtsorganisation "Foodwatch", Thilo Bode, fordert daher schärfere Strafen bei Verstößen gegen das geltende Recht und ein Klagerecht für Verbraucher. Hier gebe es noch viel zu verbessern.
Erstveröffentlichung am 13.3.2006
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