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DAS DSCHUNGELBUCH

  • Svenja Friedrich
 

Der Parlamentspräsident: Josep Borrell

Mit 388 von 700 Stimmen wählte am 20. Juli 2004 das Europäische Parlament den Katalanen Josep Borrell in Straßburg zum insgesamt 22. EP-Präsidenten. Seine Wahl beruhte auf einer Übereinkunft zwischen den beiden großen Fraktionen EVP und SPE: Die Konservativen unterstützen Borrell, wenn die Sozialdemokraten einem christdemokratischen Kandidaten in der zweiten Hälfte der Wahlperiode ab 2007 zur Seite stehen. Diese Regelung wird dann den Osnabrücker Honorarprofessor Hans-Gert Pöttering (CDU) ins Amt heben.

Von der Backstube bis ins Europäische Parlament

Josep Borrell

Josep Borrell Fontelles wurde 1947 als Sohn eines Bäckers in dem kleinem Dorf La Pobla de Segur in den Pyrenäen geboren. Obwohl er mit zehn Jahren bereits im Familienbetrieb mitarbeitete, konnte er zu Hause für das Abitur lernen. Heute kann Borrell neben einem Abschluss als Luftfahrtingenieur auf weitere akademische Abschlüsse zurückschauen. Er hat u.a. den Doktor in Wirtschaftswissenschaften, den Master in Energiewirtschaft und den Master in Angewandter Mathematik erworben und hält zudem einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften inne.

Über alle politischen Ebenen

Von 1972 bis 1981 arbeitete Borrell als Ingenieur bei der Compañía Española de Petróleos (Spanische Ölgesellschaft), wo er zum Betriebsrat gewählt wurde. 1974 trat Borrell in die Sozialistische Partei (PSOE) ein und begann 1979 seine politische Karriere mit der Wahl zum Stadtrat und Mitglied der Madrider Regionalregierung. In der González-Regierung war Borrell von 1984 bis 1991 Staatssekretär im Finanzministerium und von 1991 bis 1996 spanischer Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Umwelt. Während dieser Zeit vertrat er Spanien in verschiedenen EU-Ministerräten auf dem Brüsseler Parkett.

Das Ende der Ära González überlebte Borrell politisch, da er von keiner der zahlreichen Korruptionsaffären der Sozialisten belastet zu sein schien. 1998 machte ihn seine Partei in einer Urabstimmung zum Spitzenkandidaten für die nationalen Wahlen 1999. Aber vier Wochen vor dem Wahltermin trat Borrell überraschend als Kandidat zurück. Er befürchtete, mit einem Skandal aus seiner Zeit als Staatssekretär im Finanzministerium erpresst zu werden.

Von 1986 bis 2004 war der geschiedene Vater von zwei Söhnen Mitglied des spanischen Parlaments als Vertreter des Wahlkreises Barcelona und von 1999 bis 2004 Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses für EU Angelegenheiten. 2002/2003 vertrat er die spanische Regierung im Konvent für die Europäische Verfassung - sein erster dauerhafter Kontakt mit EUropa. Bei der allgemeinen Sprachenvielfalt in Brüssel kann Borrell gut mithalten: Er spricht neben seiner Muttersprache Katalanisch noch fließend Spanisch, Französisch und Englisch.

 Erstveröffentlichung am 30.1.2006

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