Fit für Brüssel
Eine kulinarische Reise durch Belgien
Von Theres Gniwotta, 2. Oktober 2009
Die Belgier gehen mit ihrer Küche sehr selbstbewusst um. Allgemein wird die Meinung vertreten, dass die Mengen denen in Deutschland entsprechen, aber die Qualität eher der französischen Küche gleicht.
Privat kocht man in Brüssel deftig-rustikal, während man in Restaurants häufig die französische Küche wiederfindet. Den Belgiern ist es wichtig, regionale und saisonale Zutaten beim Kochen zu verwenden.
Neben der Kartoffel verwendet man in Belgien gerne Aal, Nordseegarnelen, Muscheln, Wild, Wurst, Chicorée und Birnen. Eine Art Nationalgericht sind die „Moules frites“ - Miesmuscheln mit Pommes. Des Weiteren kennt man so gut wie überall in Belgien den Fischeintopf „Waterzooi“. „Anguilles au vert“ und „Carbonade Flamande“ sind ebenfalls typisch belgische Gerichte, wobei es sich bei dem einen um ein Aalgericht, bei dem anderen um eine Art Gulasch handelt.
„Lapin à la Gueuze“ ist Kaninchen in Bier geschmort, denn „Gueuze“ ist ein typisch belgisches Bier. Bei „Vol au Vent“ handelt es sich um Hühnerfrikassee mit Blätterteig. Abwechslungsreich schmeckt auch der „Stoemp“; ein sehr traditionelles Gericht mit Kartoffeln, Möhren, Zwiebelsauce und verschiedenen Beilagen wie Blutwurst oder Weißwurst.
Sehr zu empfehlen ist der „Gratin au Chicons“; mit Käse überbackener Chicorée, der oft noch mit Schinken umwickelt wird. Der „grüne Aal“ ist ein Gericht, das den Aal perfekt unter einer Zwiebel-Estragon-Petersilie-Spinat-Kerbel-Creme verbirgt. Ausgehöhlte Tomaten gefüllt mit Garnelen und Mayonnaise Pommes Frites als Beilage bekommt, wer „Tomates crevettes frites“ bestellt.
In Brüssel stehen oft bekannte Spargelgerichte auf den Speisekarten der Restaurants. „Asperges op zijn Vlaams“ ist gekochter Spargel mit Kartoffeln, Schinken hartgekochten Eiern und Buttersauce.
Suppen haben in Belgien Tradition. Vor allem die sehr süße Suppe „Truleye“. Sie wird kalt gegessen und in ihr findet man kleine Lebkuchenstücke als Einlage. Bei der warmen Ausgabe der Suppe sind Bier, Zucker, Butter und Muskatnuss die Einlagen.
Als Dessert findet man häufig die „Craquelin“ oder „Cramique“, wobei es sich um Hefeteig handelt, der mit Puderzucker serviert wird. Bei den „Cramique“ findet man auch Rosinen im Teig.
Im Ausland ist Belgien allgemein bekannt für seine Waffeln und die riesigen, schmackhaften Pommes. Diese bieten die sogenannten „Fritures“ überall in Brüssel an. Dabei handelt es sich um kleine Schnellimbisse oder Restaurants, in denen man viele verschiedene frittierte Gerichte findet.
Süße Versuchung - die belgische Schokolade
Weltbekannt und heiß geliebt: die Praline. Kleine Kunstwerke aus Schokolade und oft überraschenden Zutaten. Jean Neuhaus entwickelte 1912 den Schokoladenüberzug für flüssige Füllungen: die Praline war geboren. Viele kleine und große Pralinenhersteller machen Belgien heute zu einer Hochburg der süßen Verlockung. Eine Spezialität sind die Meeresfrüchte. Sie kommen in Belgien nicht nur aus dem Meer, sondern sind auch eine typische belgische Pralinenform.
Aperitif in der Stadt
Ein recht neuer, aber sehr schöner Brauch ist der sogenannte „Stadtaperitif“ oder „Apéros Urbains“, bei dem viele unterschiedliche Menschen sich zwanglos treffen, um sich kennenzulernen und sich auszutauschen. Jeden Freitag im Sommer von Juni bis September findet der Stadtaperitif in Brüssel statt. Man lernt neue Leute und Orte kennen, trinkt ein Gläschen Wein, spielt Karten oder feiert.
Ins Leben gerufen wurde der Aperitif in der Stadt im Jahr 2004 von zwei jungen Brüsselern, die ihre Stadt dynamischer und noch kommunikativer machen wollten. 2005 fand dann der erste Stadtaperitif statt und bereits letztes Jahr ist es zu einem sommerlichen Highlight geworden.
Die Autorin Theres Gniwotta, Studentin für Wirtschaft und Journalismus, ist derzeit beim europäischen Monetos-Portal tätig.
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