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Fit für Brüssel

Manneken Pis - kleiner Mann ganz groß

Von Theres Gniwotta, 1. Oktober 2009

Belgiens bekannteste Statue und das Wahrzeichen Brüssels überhaupt ist das Manneken Pis. Auch unter dem Namen Petit Julien ist das kleine Wahrzeichen ohne Anstand bekannt.

Eigentlich scheint das Manneken Pis gar nichts Besonderes zu sein: Eine kleine Brunnenfigur eines pinkelnden Knaben. Als die knapp 60 cm große Figur 1619 in Brüssel aufgestellt wurde, war das jedoch ein ganz schöner Skandal, denn allgemein empfand man die Statue als obszön. Doch man kennt es ja: Der Skandal von Gestern ist die Attraktion von Heute.

An der Ecke Rue de l’Etuve und Rue des Grands Carmes in der Nähe des Grand Place steht die Bronzestatue des Manneken Pis.Da die Figur recht klein und unscheinbar ist,läuft man leicht an ihr vorbei. Der Bildhauer Hieronymus Duquesnoy hat die heutzutage so beliebte Figur entworfen, die sogar schon ein paar Mal gestohlen wurde. Seit 1965 steht eine Kopie des kleinen Mannes am Brunnen und das Original wird im Maison du Roi verwahrt.

Glaubt man dem Archiv der Brüsseler Kathedrale, gab es bereits im Mittelalter eine Figur, die dem heutigen Manneken Pis entsprach. Diese Statue trug den Namen „Julianekensborre“ und befand sich an der gleichen Stelle wie das heutige Manneken Pis. Die Bezeichnung Manneken Pis taucht allerdings erst nach 1450 in Texten des Brüsseler Stadtarchivs auf. Zur damaligen Zeit waren Trinkwasserbrunnen mit den verschiedensten Statuen durchaus häufig. Der Legende nach soll das frühere Manneken Pis ab und an sogar Wein uriniert haben, dessen Qualität aber über die Jahre nachließ.

1695 wurde Belgien von der französischen Armee angegriffen und das Manneken Pis an einem sicheren Ort versteckt. Als es wieder aufgestellt wurde, fügte man den Spruch „Gott stellte mich auf einen Felsen und nun erhebe ich den Kopf über meine Feinde“ auf einem Schild unter der Statue hinzu. 1717 wurde das Manneken Pis das erste Mal von französischen Soldaten geklaut, die allerdings von Louis dem XV. höchstpersönlich bestraft wurden. Außerdem schenkte er dem wasserlassenden Jungen ein wunderschönes Kostüm. Der Dieb, der das Manneken Pis 1817 klaute, wurde lebenslänglich eingesperrt. Trotzdem war das Manneken Pis auch im 20. Jahrhundert eine begehrte Beute von Langfingern. Zuletzt schlugen Studenten zu, die eine Wette abgeschlossen hatten.

Amüsant ist die Tradition der Brüsseler, ihr Manneken Pis zu bekleiden. Über 700 Kostüme soll die Bronzestatue bereits besitzen. Bei Geburtstagen bekannter Künstler wie Mozart oder Elvis Presley wird das Manneken Pis dementsprechend gekleidet. Spielt die belgische Nationalmannschaft, trägt die Statue natürlich das Fußballtrikot des Nationalteams. Am Welt-Aids-Tag wird das Manneken Pis mit Kondomen geschmückt. Bereits im Jahr 1698 soll diese eigenwillige Tradition der Kostümierung durch den Habsburger Statthalter und Kurfürsten Max Emanuel von Bayern begonnen haben. Momentan stattet Jean-Marc Ahim das Manneken Pis mit Kostümen aus, die man im Grand Palace bewundern kann.

Die Gleichberechtigung machte in den 80er Jahren auch vor dem Männeken Pis nicht halt. Ein weibliches Gegenstück muss her, beschloss man 1985. Das Janneken Pis, ein kleines, wasserlassendes Mädchen ist nicht so bekannt und steht auch an einem anderen Brunnen in Brüssel.

Wahrscheinlich ist das Manneken Pis einfach wegen seiner unglaublichen Geschichte so beliebt und berühmt. Woher der Stolz der Brüsseler Bürger auch kommen mag, als Tourist sollte man lieber kein böses Wort über ihn verlieren.