- Claudia Rittel.
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Mittelfristig wohnen in Brüssel
Alles über Wohnungssuche und Mietvertrag
In Brüssel eine richtige Wohnung zu bekommen, ist gar nicht so schwer. Denn einerseits ist Wohnraum in der Stadt nicht wirklich knapp. Andererseits findet man Wohnungen mit höchst unterschiedlichen Standard, und manche Miete ist bei der gebotenen Ausstattung schlicht unverschämt. Es lohnt sich, etwas Zeit mitzubringen und ruhig viele Wohnungen anzuschauen. Allerdings kann man die Sache erleichtern, wenn man sich vor der konkreten Suche über ein paar Dinge klar wird.
Meine Erfahrung
Fündig geworden bin ich über Mundpropaganda mitten in Ixelles in einem fünfstöckigen Haus, Baujahr 1938, 10 Minuten zu Fuß vom EP. Ich habe ca. 60 qm für 660 Euro warm in einer ruhigen Straße.
Mein Tipp:
Erst mit Ortskundigen über den Standort reden. Wenn man dann ein Wohnquartier angepeilt hat,
durch die Straßen ziehen und nach den Schildern 'A louer - Te huur' schauen - und klingeln.
Axel Heyer, seit 2002 in Brüssel
Suche einschränken: wo will ich wohnen?
Welche der 19 Brüsseler Gemeinden hat es mir angetan? Will ich "hip" wohnen, etwa in Ixelles, oder nah an der Arbeit? Wie sieht es mit der Verkehrsanbindung [link: ] aus? Welche Viertel mehr und welche weniger zu empfehlen sind, ist natürlich sehr subjektiv - hier können Wahl-Brüsseler wichtige Orientierungshilfe geben. Hat man sich ein Viertel ausgeguckt, lohnt es sich sehr, auf eigene Faust durch die Straßen zu ziehen (siehe Tipp).
Wohnungsanzeigen zur rechten Zeit
Wie in jeder Stadt gibt es auch in Brüssel bestimmte Magazine, die für jeden Wohnungssuchenden ein Muss sind. Da ist zum einen die belgische Tageszeitung Le Soir, die am Freitag mit Wohnungsanzeigen aufwartet. Auch die flämischen Zeitungen sind mit dabei: De Standaard und Het Niewsblad am Samstag, Het Laatste Niews am Freitag.
Am Samstag morgen lohnt es sich früh aufzustehen, um sich das Anzeigenblatt Vlan zu besorgen - und sich dann ans Telefon zu klemmen und das Wochenende mit der Wohnungssuche zu verbringen. Am Sonntag abend gehen die Wohnungsanzeigen vom Samstag morgen auch online, am Mittwoch wird dann die Printausgabe an alle Haushalte verteilt - allerdings ist das beste dann wohl schon weg.
Für Expats zu empfehlen sind auch die Kleinanzeigen im Bulletin, das donnerstags erscheint. Wer jemanden in der Kommission kennt, sollte sich die internen Kleinanzeigen mailen lassen. Auch nicht zu vergessen: diverse Online-Angebote, die teilweise nicht immer total aktualisiert sind, aber dennoch lohnenswert sein können.
- Immoscan für Expats (auch mit vielen anderen interessanten Informationen)
- Immotransit
- Immoweb
Dein Freund und Helfer: der Makler
Makler sind Miethaie? Denkste! In Belgien läuft die Sache anders. Nicht der Mieter bezahlt den Makler, sondern der Vermieter. Man kann also ganz ungezwungen in eine der vielen Maklerbüros gehen, und sich etwas heraussuchen lassen. Manche Makler verfrachten einen gleich ins Auto und zeigen einem in zwei Stunden fünf, sechs Wohnungen. Natürlich sind die Wohnungen, die über Makler angeboten werden, etwas teurer im Preis. Aber anschauen kostet ja nichts.
Worauf muss man beim Mietvertrag achten?
Wenn man endlich fündig geworden ist, geht es an den Mietvertrag. Harmonisierung des Marktes und Rechtangleichung hin oder her - wie sieht es konkret aus, wenn man einen Mietvertrag in Brüssel abschließt? Kann man damit rechnen, dass alles eins zu eins so läuft, wie in Deutschland? Oder gibt es Unterschiede?
Als bekannt kann man schon mal die Punkte Kaution - "la garantie locative" - sowie Pflichten von Mieter und Vermieter abhaken. Hier gibt es im Grunde keine Unterschiede zu Deutschland: Die Kaution darf drei Monatsmieten nicht übersteigen und ist mit Zinsen zurückzuzahlen. Unter Umständen kann auch eine Bank für den Mieter bürgen. Manchmal geht es auch etwas formloser: Kaution bar auf die Hand, dafür nur eine Monatsmiete, ein Vermerk im Mietvertrag und garantiert zinslos.
Ein wenig anders sieht es bei einigen weiteren Punkten aus: Allen voran sei die für uns etwas seltsam anmutende Regelung der Dauer von Mietverhältnissen, gefolgt von der Notwendigkeit eine Brandschutzversicherung abzuschließen.
Die Dauer des Mietverhältnisses
In Belgien unterscheidet man
Der größte Unterschied ist der, dass der kurze Mietvertrag nur einmal, zu den gleichen Konditionen und auf insgesamt höchstens drei Jahre verlängert werden darf. Außerdem kann ein kurzer Mietvertrag eigentlich nicht vorzeitig gekündigt werden - es sei denn eine entsprechende Möglichkeit ist im Vertrag festgehalten.
Als gesetzlicher Regelfall gilt, dass der Mietvertrag, über neun Jahre geschlossen wird. Gekündigt werden kann er von Seiten des Vermieters mit einer Vorlaufzeit von sechs Monaten. Wird der Vertrag nicht gekündigt, verlängert er sich automatisch um drei Jahre.
Aber keine Panik: Auch vorzeitige Kündigungen sind möglich. Der Vermieter muss in der Regel sechs Monate vorher kündigen, der Mieter drei Monate. Dabei muss der Vermieter in der Regel einen von verschiedenen gesetzlich festgelegten Gründen vorbringen; so zum Beispiel Eigenbedarf an der Wohnung bzw. dem Haus oder wichtige Renovierungsarbeiten. Beendet der Vermieter das Mietverhältnis vor Ablauf der neun Jahre ohne triftigen Grund, was im Übrigen nur alle drei Jahre möglich ist, so muss er dem Mieter eine Abfindung von mehreren Monatsmieten zahlen. Der Mieter kann mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist grundsätzlich immer kündigen. Fällt seine Kündigung jedoch in die ersten drei Jahre des Vertrages, so muss er dem Vermieter eine Abfindung von bis zu drei Monatsmieten zahlen, danach nicht mehr.
Selbst für den, der auf jeden Fall länger als drei Jahre in einer Wohnung bleiben möchte, aber noch nicht genau weiß wie lange, lohnt sich also ein langer Mietvertrag, da er eben nach drei Jahren mit dreimonatiger Frist regulär gekündigt werden kann. Und auf der anderen Seite muss der Mieter hier nicht fürchten, nach einmaliger Verlängerung rauszufliegen.
Lange Mietverhältnisse unterscheidet von neunjährigen jedoch eigentlich nur, dass sie sich ohne Kündigung um jeweils drei Jahre verlängern. Aber auch sie können gekündigt werden.
Falls man bei einer der Klauseln im Mietvertrag Zweifel hat, kann man sich auch an das Bureau de Liaison Bruxelles-Europe wenden, die mit Expats Erfahrungen haben und gerne weiterhelfen.
L'Etat des Lieux
Was in Deutschland "Übergabeprotokoll" bezeichnet wird, läuft hier unter dem schönen Namen "Etat des Lieux", was "Zustand der Mietsache" bedeutet. Vor dem Einzug machen Mieter und Vermieter gemeinsam eine Bestandsaufnahme - oder sie beauftragen einen professionellen Gutachter ("L'expert") und teilen sich die Kosten für ihn (insgesamt immerhin ca. 200-300 €). Damit eine solche Rechtsgültigkeit erlangt, muss sie vor allem detailliert genug sein - Floskeln wie "in gutem Zustand" o.ä. taugen hier nichts. Und natürlich datiert und von beiden Seiten unterschrieben. Kennt man ja - allerdings diesmal auf Französisch oder Holländisch...
Für den Fall jedoch, dass Létat des lieux vor Einzug nicht festgestellt wurde, kann dies noch nachgeholt werden: Bei einem einjährigen Mietvertrag während der ersten 15 Tage; bei einem längeren Vertrag hat man einen Monat dafür Zeit. Wird es versäumt und soll auf Wunsch einer Partei im Laufe des Mietverhältnisses nachgeholt werden, wird ein Experte mit der Untersuchung beauftragt, dessen Urteil dann rechtsgültig ist. Wie dem auch sei: Als Mieter kann man sich auf der sicheren Seite wägen: solange nichts festgelegt wird, wird davon ausgegangen, dass der Zustand bei Auszug dem beim Einzug entspricht. Gegenteiliges muss der Vermieter beweisen.
Nebenkosten
Die Verbrauchskosten des Mieters werden teilweise mit der Miete an den Vermieter überwiesen, sofern dieser für die Begleichung für das ganze Haus zuständig ist. Dies ist in der Regel der Fall für Wasser, die Heizung und den Müll, zusätzlich evtl. für Elektrizität im Treppenhaus oder den Lift sowie eine Umlage für die Reinigung des Treppenhauses. Strom und Gas bezieht man in der Regel ebenso individuell wie Kabelfernsehen.
Eine Ausnahme gibt es bei der Bezahlweise: In Belgien ist es möglich die Nebenkosten alle drei Monate pauschal zu zahlen, ohne dass im Nachhinein auf Heller und Pfennig genau abgerechnet wird. Klingt praktisch und ist ein wenig Glückssache, denn je nach Entwicklung der Preise tragen Mieter und Vermieter das Risiko mit Gewinn oder Verlust aus der Sache rauszugehen. Wählt man nicht diese Ausnahmeregelung, muss der Vermieter die Nebenkosten einmal im Jahr auf einer Extrarechnung abrechnen.
Assurance d'incendie
Der Abschluss einer Brandschutzversicherung ist nicht gesetzlich verpflichtend, aber dennoch dringend anzuraten und wird dem Mieter oft bei Vertragsabschluss in den Vertrag diktiert. Warum? Weil in Belgien der Mieter für den Schaden haftet. Das ist zunächst deswegen problematisch, weil Brandschäden per se eine sehr teure Angelegenheit sein können und zum anderen, weil ihn auch im Falle der Unschuld die Beweislast den Mieter trifft. Und wie zum Beispiel soll man beweisen, dass ein Dritter verantwortlich ist?
Außerdem ist der Vermieter eines Hauses, in dem mehrere Mietparteien wohnen, nicht verpflichtet, den Brandherd herauszufinden. Die Schuld und Reparaturkosten wird dann pauschal unter allen aufgeteilt. Bricht ein Brand zum Beispiel in einem von allen genutzten Raum, wie einem Foyer oder Treppenhaus aus, so werden alle Mieter zur Schadensbegleichung herangezogen.
Ein Grund mehr, sich eine entsprechende Versicherung zuzulegen, ist die Tatsache, dass eine so genannte Brandschutzversicherung nicht nur Brände sondern auch eine ganze Reihe anderer Schäden abdeckt. Das sollte uns sicherheitsgewohnte und -besorgte Deutsche doch überzeugen und freuen.
Erstveröffentlichung am 14.7.2004
zuletzt aktualisiert am 4.5.2007
Service zum Artikel
Fit für Brüssel
Übersicht
- Im Zeichen des grünen Kreuzes - auf zur Apotheke.
- Halbgott oder lieber Halbgöttin in Weiß - Wie finde ich den richtigen Arzt?.
- Ab ins Krankenhaus - Im Nofall 112.
- SIS und mutuelle - die böhmischen Dörfer der belgischen Krankenversicherung.
- Abenteuer Europäische Krankenversicherungskarte.
- Eine kulinarische Reise durch Belgien.
- Maenneken Pis - kleiner Mann ganz groß.
- Ein Zimmer für ein paar Wochen bis Monate zur Miete.
- Adressenliste für kürzere Mietverhältnisse.
- Mittelfristig wohnen in Brüssel.
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