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Dass die transatlantischen Beziehungen in einer Krise stecken, ist nicht zu übersehen. Das öffentliche Ansehen des jeweils anderen Kontinentes ist so schlecht wie seit langem nicht mehr. Was darf man in dieser Situation von einem US-Amerikaner erwarten, der ein Buch über Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa schreibt? Merke: Diese und ähnlich unterschwellig aufgeladene Fragen sind das Thema dieser Publikation. Aber dazu später mehr, zuerst zur Antwort: Im besten Fall ein Spiegel, der zur europäischen Selbstreflexion taugt, im schlechtesten Fall eine Polemik gegen den alten Kontinent. Beides ist dieses Buch nicht geworden. Den Gefallen der einfachen weil eindeutigen, aber oft eben auch klischeehaften und vorurteilsbeladenen Position über "das Andere", hat der Autor Andrei S. Markovits seinen Lesern nicht gemacht, besser noch, er hat diese Positionen selbst zum Thema gemacht. Markovits kann man getrost, um im Duktus zu bleiben, als Euro-Amerikaner bezeichnen, nicht zuletzt weil seine vielfältigen europäischen Beziehungen besondere Erwähnung finden. Sich selbst sieht er als politisch Links stehend, und zugleich, für viele vielleicht überraschend, als patriotischer Amerikaner. Er ist 1948 in Rumänien geboren und lebt seit 1967 in den USA, wo er an der University of Michigan Politikwissenschaft und Soziologie lehrt. Sein vorliegendes Buch trägt den provokanten Haupttitel "Amerika, dich hasst sich's besser", wobei diese Provokation als blanke Ironie zu verstehen ist. Denn im Gegensatz zu vielen seiner politischen Weggefährten in der Neuen und der Alten Welt, hat er mit zwei Dingen besonders wenig am Hut: Antiamerikanismus und Antisemitismus. Seine zentrale These ist, dass von den beiden extremen Rändern bis in die politische Mitte hinein, in Europa eine evidente Entwicklung eingesetzt hat, welche die beiden angeführten -Ismen schleichend als politischen Mainstream etabliert.
Die einseitige Darstellung eines schlechten Amerikas ist falsch Der heutige Antiamerikanismus basiere auf der medialen Halluzination eines Amerikas, dass es so gar nicht gibt, weil es ausschließlich mit Dingen wie dem amtierenden Präsidenten, dem Kyoto-Protokoll und dem Irak-Krieg in Verbindung gebracht wird. Natürlich, so Markovits, gäbe es an den amerikanischen Verhältnissen viel zu kritisieren - aber eben nicht nur. Die einseitige Darstellung eines schlechten, bösen, unmoralischen und kulturlosen Staates sei falsch, ist aber nur die Konsequenz einer langen Kette von Vorurteilen. Um diesen Nachweis zu führen, greift Markovits weit in die Geschichte zurück, von Christoph Kolumbus über Charles Dickens bis Maxim Gorki, und spannt den Bogen bis in die heutige Zeit zu Jürgen Klinsmann und Michael Moore. Und natürlich fehlt auch Karl May nicht, der das Amerika-Bild der Deutschen wohl am nachhaltigsten geprägt hat. Obwohl die europäischen Nationen differenziert dargestellt werden, seien die Phänomene und ihre Ursprünge überall so ähnlich, dass getrost von einem gesamteuropäischen Phänomen gesprochen werden kann, so Markovitz. Ob der europäische Antiamerikanismus und Antisemitismus allerdings die Westeuropäer mehr eint als alles andere, bleibt eine hoffentlich falsche Aussage. Leider hofft man beim Lesen auch vergeblich auf einen Satz über das andere Europa, also eine Erwähnung der "Atlantiker" bzw. derjenigen, denen eine Einigung Europas aus sich selbst heraus, und gute Beziehungen zu den USA gleichermaßen wichtig sind, was vielleicht diese Minderheitenposition noch unterstreicht. Ein Buch, das nachdenklich macht Das Buch basiert zu großen Teilen mehr auf Recherche als auf Analyse, was die Rezeption der Ergebnisse mühsam macht. Auch dass es zu den angesprochenen Studien keine graphische Umsetzung gibt, verstärkt dieses Problem. Die Auflistung der Beispiele, die auf persönlichen Beobachtungen, Printmedienanalysen und wissenschaftlichen Daten beruhen, ist beeindruckend und macht nachdenklich. Seine theoretisch-analytischen Stärken entfalten sich erst dann, wenn das Empirische abgelöst wird. Dann werden einerseits die Verbindungslinien vom Antiamerikanismus zum Antisemitismus herausgearbeitet, andererseits wird gezeigt, wie in Verbindung mit der Konstruktion eines Anti-Europa (sprich Amerika) und dessen Ablehnung in der europäischen Öffentlichkeit eine Einigungsbewegung nationenübergreifend am entstehen ist. Zu guter Letzt kommen Personen wie Hannah Arendt, Lord Ralf Dahrendorf und Anton Pelinka zu Wort, und man erfährt, warum das Thema so entscheidend ist: Dieses Buch sensibilisiert für ein Problem, das nicht nur im deutsch-amerikanischen Verhältnis eine Rolle spielt, sondern auch was die Zukunft beider Kontinente betrifft, wobei einer guten und vorurteilsfreien Zusammenarbeit in Zukunft eindeutig der Vorzug gegeben werden sollte.
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