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Was hat eine am Rande der Poebene in Italien gelegene Stadt mit dem deutschen Bildungssystem zu tun? In Bologna trafen sich 1999 die europäischen Wissenschaftsminister und vereinbarten, bis zum Jahr 2010 durch die Vereinheitlichung der Hochschulbildung einen Europäischen Bildungsraum zu schaffen. Die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens findet im Moment an den Hochschulen statt. Allerdings überrascht es schon etwas, wie wenige Diskussionen es im Vorfeld der politischen Entscheidungsfindung gab, und auch wie wenig in den Medien aktuell darüber berichtet wird, über das, was man den "Bologna-Prozess" nennt. Diskutiert man über andere Bildungsthemen meist intensiv, zum Beispiel die PISA-Studie, fallen die Medienberichte zu "Bologna" bislang eher spärlich aus. So kann man wohl getrost von der leisesten Bildungsrevolution sprechen, die es in Deutschland je gab. Mehr öffentliche Aufmerksamkeit wäre allerdings angebracht, denn revolutionär sind die Veränderungen allemal.
Es beginnt mit einem Exkurs in die Geschichte der Europäischen Hochschulpolitik. Die Sorbonne-Declaration von 1988, die als Urahne des "Bologna-Prozess" bezeichnet werden könnte, konkretisiert die Idee eines Europäischen Hochschulraumes erstmals politisch. Seit der Wiederaufnahme jener Ideen im Jahr 1999 in Bologna finden alle zwei Jahre Folgekongresse statt, auf denen Fortschritte und Probleme diskutiert, und das weitere Vorgehen verabredet wird. Drei Ziele von "Bologna" sind bislang konkret zu nennen: die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulen, mehr Mobilität zwischen denselbigen, sowie die Sicherstellung der Berufsfähigkeit der europäischen Bürger. Zum erreichen dieser Ziele wurden auf europäischer Ebene Vorgaben erarbeitet, die unter anderem die Vergleichbarkeit von Abschlüssen, ein Leistungspunktesystem, zweistufige Studienabschlüsse und eine enge Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung umfassen - diese Vorgaben fungieren gleichzeitig auch als nachprüfbare Teilziele.
Über relevante Einzelthemen, die hinter fast kryptischen Fachbegriffen wie "ECTS" (European Credit Transfer System), "Employability" und "Akkreditierung" stecken, wird fundiert und leserlich Auskunft gegeben, ebenso wird ein durchaus erhellender Blick über Europa hinaus gewagt. Dabei vergleicht er die deutschen Hochschulstrukturen mit denen von Großbritannien, den USA, Kanada und Japan. Dies ist deshalb sehr nützlich, weil es zeigt, dass über die politischen Diskussionen von Studiengebühren bis Elitehochschulen hinaus - beide Themen werden natürlich auch behandelt - es noch viele weitere diskutable Aspekte gibt. Konkret stehen hier gleichermaßen die Art der Abschlüsse wie auch Fragen der Qualität im Vordergrund. Bei der Problemdiskussion kommt lediglich etwas zu kurz, dass die aktuelle Implementierung der neuen Studiengänge in der Praxis nicht reibungslos abläuft. Die Infragestellung des "Bachelor" durch so manche technische Hochschule ist ein deutliches Zeichen hierfür. Das alles zeigt, was die deutschen Hochschulen nach Aussage von Oliver T. Maassen noch vor sich haben: einen langen Weg. Wie das Ende dieses Weges aussehen könnte, umreißt der Autor dann im Kapitel 9, einem Epilog mit dem Titel "Die ideale Hochschullandschaft". Dieses visionäre "Märchen" aus der Zukunft stellt fast das gesamte jetzige Hochschulsystem in Frage - ein guter Anfang für eine Revolution. Gerne hätte man auch noch erfahren, wie sich das Schulsystem um die "Märchenprinzessin" des Jahrgangs 2000 kümmert, denn berufliche Karrieren beginnen meist schon in der Grundschule, wenn nicht sogar noch früher. "Die Bologna-Revolution" ist eine äußerst komplette Publikation, und zudem in einer sehr guten, gebundenen Qualität erhältlich - worauf wohl leider auch der nicht gerade studentenfreundliche Preis zurückzuführen sein dürfte. Die Thematik aber wird schlüssig und vollständig aufgearbeitet, und auch für den Uneingeweihten leserlich und klar gegliedert dargelegt. Ein umfangreicher Anhang mit einem Glossar wichtiger Begriffe zur "Bologna"-Hochschulreform rundet dieses für Unternehmen, Politiker, Hochschullehrer, Journalisten und Studenten gleichermaßen empfehlenswerte Buch ab.
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