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EU SERVICE

  • Axel Heyer
 
Europas digitale Wirtschaft in Buchform

In transatlantisch trüben Tagen ist ein Handbuch erschienen, das zeigt, dass es Amerikaner gibt, die sich in EU-Angelegenheiten auskennen und an EUropa massiv interessiert sind - in diesem Fall dank der grenzüberschreitenden Bedeutung der digitalen Wirtschaft.

Da auch in digitalen Zeiten das papierlose Büro eine Utopie bleibt und weil nach pixeligen Stunden am Monitor das Studium von Informationen auf echtem Papier meist fruchtbarer ist, werden Handbücher noch lange unentbehrlich bleiben, selbst wenn ihr Inhalt im Prinzip auch online vorliegt. So ist es auch mit dem soeben erschienen 'EU Guide to the Digital Economy', den wir für so interessant halten, dass wir ihn hier vorstellen, auch wenn er komplett auf Englisch ist.

Fünf Jahre nach einem ersten Buch zum Thema hat das 'EU Committee' der US-Handelskammer in Belgien ein neues Handbuch zur digitalen Wirtschaft in der EU aufgelegt. Auf 200 Seiten und in 13 Kapiteln wird zusammengefasst, was in der EU in Sachen Informationsgesellschaft und IT-Politik der Stand der Dinge ist und welche Akteure daran beteiligt sind. Dabei geht es nicht, wie der Titel suggerieren könnte, um die einzelnen Wirtschaftsunternehmen, sondern um die politischen Gremien, Verbände und Organisationen, die für diese den Rahmen schaffen.

Auch wenn das Handbuch im Prinzip für US-Unternehmen konzipiert ist, die sich in der EU orientieren müssen, so ist doch das Handbuch-Konzept so unpatriotisch und sachorientiert, dass auch die von ihr profitieren können, die zwar Europäer sind aber trotzdem in der EU-Politik manchmal den Überblick verlieren - also wir alle. So haben es auch die zuvor erschienenen EU-Handbücher der Amerikaner in Brüssel zu Umweltpolitik bzw. Erweiterung sowie die Nachschlagewerke zum Europäischen Parlament und zur EU insgesamt in die Regale vieler Brüsseler Agenturen und Amtsstuben geschafft, auch wenn sie bei Preisen bis zu 60 Euro nicht ganz billig sind (ok, die wenigsten Käufer werden dafür ihr privates Sparschwein schlachten müssen...).

Aus dem Inhaltsverzeichnis
1.: eEurope
2.: Infrastucture Regulation
3.: eCommerce Regulation
4.: Content / IPR Reguation
5.: Funding Programs
6.: The European Commission
7.: The European Parliament
8.: The Council of the EU
9.: Digital Economy in Europe
10.: Digital Economy in the US
11.: International Organizations
12.: Non-Governmental Organizations
13.: References

Auf angelsächsische Weise sind die einzelnen Text-Kapitel übersichtlich gegliedert - im wesentlichen in 'Background', 'Business Perspective', in der auch die Wünsche, in welche Richtung dem EU-Committee nach gehen sollte, zum Ausdruck kommen. Auch die eher datenbankartig aufgebaute zweite Buchhälfte über die Akteure enthält benutzerfreundliche Texte, die die Informationen einleiten und gliedern.

Beim näheren Blick auf die Doppelseite über 'Germany' (In Kapitel 9) zeigt sich, dass die Darstellung von 'Policy & Priorities' der deutschen Politik zu oberflächlich bleibt, als dass sie wirklich nutzen könnte. Dort finden sich nämlich nur die hehren aber wenig konkreten Ziele der Initiative BundOnline 2005 (Näheres bei politik-digital), bei den anderen Länderreports ist es ähnlich. Wenn schon Ziele, dann würde sich hier ein tabellarischer Gesamtvergleich besser machen.

Diese Defizite in den Länderprofilen werden durch die Prägnanz der Inforamtionen in den meisten anderen Bereichen locker wettgemacht, etwa bei der Übersicht über die EU-Förderprogramme in diesem Politikfeld. Die Verbindung von verständlichem Grundlagenwissen mit den vielen 'hard facts' wird einen Blick ins Handbuch auch dann noch lohnend machen, wenn die eine oder andere Detailinformation überholt sein wird.

 Erstveröffentlichung am 7.3.2003


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