- Tim Mäkelburg.
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Ein Hörbuch zur Geschichte Europas
Wir leben heute in einem vielschichtigen Europa. Die Lebensstile und Kulturen der einzelnen Völker unterscheiden sich zwar ein wenig, doch alle können auf eine gemeinsame europäische Geschichte, eine gemeinsame europäische Kultur zurückblicken. Mit der Hörbuch-Auskoppelung "Die Geschichte Europas" bietet sich die Möglichkeit, diese faszinierende Kulturgeschichte der europäischen Völker in einer packenden Erzählung zu erleben.
Der Autor Dietrich Schwanitz versucht, zusammen mit der bekannten Stimme des Erzählers Matthias Ponnier, in einer einmalig lockeren Art und Weise Geschichte lebendig zu machen. Er begnügt sich nicht mit der stupiden Aneinanderreihung von Daten und Fakten, sondern lässt die europäische Geschichte tatsächlich zu erzählten Geschichten werden. Dabei versteht es Schwanitz - Romanautor und mittlerweile emeritierte Professor für englische Literatur - geschickt, wissenschaftliche und prosaische Herangehensweisen zu mischen und schafft damit ein fesselndes Hörerlebnis.
1.500 Jahre auf drei CDs
Für Schwanitz beginnt die Geschichte unseres Kontinents vor gut anderthalb tausend Jahren mit den Völkern der Griechen und Juden und endet vorerst mit dem Mauerfall und dem damit einhergehenden Ende des Ost-West-Konfliktes im Jahr 1989. Zur besseren Unterteilung gliedert Schwanitz diese 1.500 Jahre in sieben Kapitel:
1. Die griechisch-römische Vorgeschichte
Das Erbe unserer Geschichte
Aber was hat das alles mit unserer heutigen Kultur zu tun? Viel, denn sie fußt auf diesen anderthalb tausend Jahren. Was wären wir ohne die griechische Polis und die Demokratie? Wie würde Europa ohne den englischen Parlamentarismus, wie ohne die Trennung von Staat und Kirche aussehen?
Schwanitz hat in seiner Beschreibung deshalb auch einen Schwerpunkt gesetzt. Er stellte bei der Arbeit zum dem Hörbuch zu Grunde liegende Buch "Bildung - Alles was man wissen muß" unser heutiges kulturelles Wissen unter den Blickwinkel folgender Fragen: Was trägt es zu unserer Selbstkenntnis bei? Wie kam es, dass die moderne Gesellschaft, der Staat, die Wissenschaft, die Demokratie, die Verwaltung in Europa in Europa und nicht woanders entstanden?
Bei der Reise durch die Zeit erfahren wir von Dietrich Schwanitz, dass unsere heutigen Probleme nichts wirklich Neues sind - es ist alles schon einmal da gewesen. So wirkt das Ergebnis des dreißigjährigen Krieges - das Unentschieden zwischen den Konfessionen und die Kleinstaaterei, bei der jeder Fürst die Religionsausrichtung in seinem Fürstentum individuell bestimmte - noch heute in regionalen Temperamenten und der unterschiedlichen Parteienlandschaft.
Verständlichkeit durch gute Vergleiche
Auch viele nicht ganz ernst gemeinte und oft süffisante Vergleiche der Geschichte mit unserer heutigen politischen Tagesordnung lockern das Hörbuch auf und lassen Bildung zum Erlebnis werden. Wenn Schwanitz beispielsweise die Widersprüchlichkeit der Aussagekraft des griechisches Orakel mit der einer heutigen Expertenkommission oder die römischen Volkstribunen mit den heutigen Betriebsräten vergleicht, scheint die weitere Entwicklung unserer Gewerkschaftslandschaft bereits festzustehen: "auch sie neigten am Ende der Republik wie die heutigen Gewerkschaftsvertreter zur Blockadepolitik"!
Geschichte im Eiltempo
Grade diese recht undogmatischen Mittel machen das Hörbuch "Die Geschichte Europas" zum Erlebnis. Schier im vorbeifliegen werden Bedeutungszusammenhänge verständlich, die wir zwar in der Schule alle schon mal behandelt haben - aber schon längst wieder vergessen haben. Alle drei CDs hintereinander weg zu hören ist dabei aber nicht ideal, denn die Menge an Fakten pro Minute ist schon enorm. Zum Glück gibt es ja den Pause-Knopf am CD-Spieler, so dass sich die neu bzw. wieder gewonnen Informationen erst mal setzen können. Ein Widereinstieg ist dann auch kein Problem, denn durch die gute Untergliederung der CD kann so gut wie an jeder Stelle wieder eingesetzt werden.
Mit den CDs macht lernen endlich wieder Spaß - man kann Fakten und Vergnügen kombinieren, ohne dass man das Hörbuch als einfaches Infotainment abstrafen muss. Es ist eine gelungene Reise durch die Zeit, in der einem viele Ereignisse unserer europäischen Geschichte mit heutigen Episoden vergleichbar scheinen - ein rundum gelungenes Projekt, das man getrost weiter empfehlen kann.
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