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EU SERVICE

  • Benjamin Kirchner
 

Den Fachmann freut's, für den Laien ändert's nichts

Wer kennt sie nicht? Die Unsicherheit, wenn es um Wissen von oder über die Europäische Union geht. Die im Oktober 2005 erschienene dritte Auflage des "Handlexikons der Europäischen Union" möchte helfen, die Unsicherheit und das Unwissen zu überwinden – und damit auch zu "Ansehen und Akzeptanz der EU" beitragen.

Was aber ist der geeignete inhaltliche Rahmen für ein Nachschlagewerk zu einem derart umfangreichen und komplexen Thema? Den Herausgebern des Handlexikons geht es laut Vorwort nicht um Europa, sondern um die EU. Fragen zum Europarat oder zur NATO, kurz: zu Institutionen, die nicht unter dem EU-Dach beheimatet sind, sollen "nur am Rande" beantwortet werden.

Damit bliebe immer noch ein riesiger Wissensberg, jedoch würden seine Grenzen theoretisch erkennbar. Doch entgegen der Ankündigung bleiben die inhaltlichen Grenzen des Handlexikons genau so unklar wie die von Europa: denn der Europarat und die NATO finden sich doch als eigene Stichwörter wieder – der Rand der EU bleibt also undefinierbar groß.

"Publikumslieblinge" bleiben draußen

Aktuelle Themen, etwa die Hafenrichtlinie, finden sich im Handlexikon dagegen nicht wieder. Zwar wurde der Hafenrichtlinie erst nach Redaktionsschluss, der auf Mitte 2005 datiert, große Aufmerksamkeit zuteil. In einem Nachschlagewerk "für alle", wie Jan Bergmann bei einer Präsentation im Europäischen Parlament im Februar 2005 die Zielgruppe benannte, wären "Publikumslieblinge" wie die Sonnenscheinrichtlinie oder der Dauerbrenner Gurkenkrümmung durchaus erwähnenswert gewesen. Zumal sich diese nicht selten als Quelle weitereichenden Halbwissens oder Sagenbildung entpuppen.

Für den Fachmann bleiben dagegen relativ wenig Fragen offen. Mit Sicherheit lässt sich ein Themenfeld wie die EU nie in Gänze erklären, aber über 800 Seiten, die sich der Erklärung der Stichwörter widmen, sind auch unter den Nachschlagewerken über die EU als ausführlich zu bezeichnen. Die gut strukturierten Artikel wissen vor allem auch deshalb zu gefallen, da sie mit einem "Ausblick", einer "kritischen Wertung" oder "Modellen zur Entwicklung" schließen. Nicht nur, dass sich dadurch die Haltbarkeit des Handlexikons vielleicht ein wenig verlängert, durch diese Rubriken wird auch den dynamischen und ideologischen Dimensionen der EU Rechnung getragen.

Kritisch ist dagegen die grafische Ausgestaltung zu bewerten: die eingangs gelieferte tabellarische Darstellung wichtiger Daten zu den Mitgliedstaaten könnte durch ein wenig Farbe, ebenso wie die folgende Karte der EU, bedeutend übersichtlicher werden. In den Grauabstufungen der Karte "Die EU heute" kann man kaum einen Unterschied zwischen den 1995 und 2004 beigetretenen Staaten erkennen.

Konservatives Design, überzeugender Inhalt

Auch der Hauptteil, die Stichwörter, könnte in seiner Handhabe durch Farbe oder Registerbuchstaben am rechten Seitenrand deutlich besser werden. Besonders negativ wirkt sich das konservative Design aber im Register aus. Der hilfreiche und eigentlich in Lexika weitverbreitete Fettdruck der Seiten, auf denen der Suchbegriff schwerpunktmäßig erklärt wird, würde viel überflüssiges Blättern und damit Zeit ersparen.

Letztlich gleicht das Handbuch die optischen Mängel durch inhaltliche Stärke wieder aus. So finden sich, neben den vielen Begriffen und Stichwörter, auch recht umfangreiche Aufsätze - zusammen immerhin 45 Seiten - zur Zukunft der Europäische Union, zur "Geschichte der europäischen Einigung" und eine "Zeittafel der europäischen Einigung". Insgesamt drängt mit dem "Handlexikon der EU" also eher ein Nachschlagewerk für den Fachmann als für den Laien auf den Markt. Für sie dürften sich hinter den rund 1.300 Stichwörtern aber immer wieder hilfreiche Informationen und Erklärungen finden. Kurz: Das Hamdlexikon der Europäischen Union - Den Fachmann freut's, für den Laien ändert's (wohl) nichts.

Erstveröffentlichung am 9.5.2006