In eigener Sache
Sehr geehrte Leser und Leserinnen
Zehn Jahre haben wir versucht, für Sie einen Pfad durch den EU-Dschungel zu schlagen. Jetzt ist er uns über den Kopf gewachsen und wir stellen das Magazin ein.
Einen Teil unseres Archivs erreichen Sie über den Button "Weiter", die Homepage des Trägervereins europa einfach e. V. über den zweiten Button.
Einen Teil unseres Archivs finden Sie noch online.
Wir hoffen, Sie behalten ihr Interesse an EU-Themen.
EU SERVICE
"Gegenspieler - das sind Biographien und Geschichte(n) aus dem 20. Jahrhundert, das sind Menschen im Wettbewerb der Ideen und Überzeugungen, das sind die Namen und Köpfe im Zeitalterder Extreme."
Mit dieser Einleitung charakterisiert der Fischer-Verlag seine neue Serie "Gegenspieler", in der auch der hier besprochene Band "John F. Kennedy - Nikita Chruschtschow" von Karl Drechsler erschienen ist.
Und das Experiment, geschichtliche Entwicklung aus dem Blickwinkel zweier konträrer
Persönlichkeiten zu betrachten, ist im allgemeinen gelungen. Drechsler führt den Leser durch die Anfangsphase des Kalten Kriegs, zeigt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme und Errungenschaften dieser beiden, sich genüberstehenden Staaten auf, läßt den jeweiligen Weg zur Macht der beiden Protagonisten noch einmal Revue passieren und gipfelt schließlich im Aufeinandertreffen der russischen und amerikanischen Streitkräfte, sprich der Kubakrise.
Doch liegt in dieser klaren Stringenz der geschichtlichen Berichterstattung auch das Problem dieses Buches; Drechsler "erzählt" die Geschichte und den Einfluss zweier Politiker auf die Geschichte. Zwar verringert er damit die Distanz des Leser auf die damaligen historischen Ereignisse, doch nimmt dieser erzähltechnische Ansatz dem Autor die Möglichkeit einer distanzierten Evaluation, einer Betrachtung der beiden Politiker von einem dritten, einem außenstehenden Standpunkt.
Dadurch wird das Buch für den historisch beschlagenen Leser oftmals etwas seicht, so dass sich dieser an einigen Stellen eine kritischere und hinterfragendere Analyse wünscht, für den Leser ohne geschichtliche Allgemeinbildung sind die, oft persönlichen (aber durchaus interessanten), Anekdoten wahrscheinlich teilweise unverständlich.
Dennoch liefert 'Gegenspieler' einen ordentlichen Überblick über die Wirren der Anfangsphase des Kalten Krieges und vor allem über die Atmosphäre damaliger Weltpolitik. Es schildert Ereignisse, die der damaligen Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich verborgen blieben und es größtenteils bis heute sind. So zum Beispiel die Reaktion Kennedys auf die Nachricht des Baus der Berliner Mauer am 13. August 1961, als er sich noch am selbigen Tag auf einen Segeltörn begab, um Chruschtschow zu signalisieren, daß besagter Mauerbau für die USA keinen Kriegsgrund darstelle.
Um die Notwendigkeit eines solchen unüblichen Schritts der Nachrichtenübermittlung einschätzen zu können, muß man wissen, daß das berühmte "Rote Telefon" erst am 20. Juni 1963 eingerichtet wurde. Die vorherige Kommunikation zwischen Moskau und Washington beschreibt Drechsler folgendermaßen: "Damals musste eine Botschaft Kennedys an Chruschtschow von einem fahrradfahrenden Boten zum Gebäude der Western Union gebracht werden, ein Motorradfahrer beförderte die Antwort zu Radio Moskau, wo sie öffentlich über den Sender ging."
Hintergründe wie diese und der relativ knapp gehaltenen Umfang (160 Seiten) machen das Buch zu einem entspannten Leseerlebnis, das dem Leser zwar keine kritische Reflexion über das Verhalten der beiden Politiker in ihrer damaligen Situation bietet (insbesondere die Rolle Kennedys während der Kubakrise, die in der derzeitigen Forschung ja immer wieder neu evaluiert wird, wird von Drechsler sehr eindeutig dargestellt), es aber durchaus versteht, den Leser zu fesseln.
So ist "Gegenspieler: John F. Kennedy - Nikitia Chruschtschow" ein lesenswertes Buch, wenn man sich darüber im klaren ist, was einen erwartet: ein Stück unterhaltsam erzählte Geschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Links ins Internet: |
Sprung zum Artikelanfang.

Impressum