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EU SERVICE
Es wäre sicher noch verfrüht, bei dieser Publikation schon jetzt von einem Standardwerk zu sprechen. Doch ist es durchaus bemerkenswert, dass in einer relativ kurzen Zeit bereits die dritte Auflage erschienen ist. Damit kann es sich den Titel eines "Bestsellers" in der Rubrik Fachbücher schon heute an die Brust heften. Woher kommt dieser Erfolg? Kurz gesagt ist es ein einfaches, originelles und verständliches Buch, aber es hat noch mehr zu bieten. Dies ist nicht zuletzt der originellen Vernetzung der doch sehr komplexen Thematik zu verdanken, welche es vermag, die Materie mit Leben zu erfüllen.
In diesem Fall haben die Autoren den Kampf gegen den Schreibkrampf gewonnen, und damit ihrer Zielvorgabe "auf die Verständlichkeit der Ausführungen zu achten" vollends entsprochen. Es macht sogar den Anschein, als wenn man es mit einer populärwissenschaftlichen Abhandlung anglo-amerikanischen Stils zu tun hätte, wobei die Autoren den wissenschaftlichen Anspruch nicht im Geringsten vernachlässigt haben. Dies hat auch mit dem nicht ganz alltäglichen Ansatz zu tun, der die drei Elemente Begriffsgeschichte, Konstruktivismus und komplexitäts-reduzierende Heuristik umfasst. Innerhalb dieses methodischen Raumes ist der Ausgangspunkt der Analyse, nach einem kurzen Rückgriff auf die Grundlagen der EU und der aktuellen Diskussion um die Europäische Verfassung, der europäisierte Nationalstaat. Die Autoren stellen die Frage nach den Korrespondenzverhältnissen zwischen Bürgern, Staaten und Verfassungen auf europäischer, nationaler, sowie regionaler Ebene, und welche Auswirkungen dies auf die Diskussion und die Ausgestaltung der Europäischen Verfassung, ja grundlegend auf die Idee eines einigen Europas hat.
Hierbei sehen die Autoren in den kleinsten Einheiten des politischen Europas den Bürger, eine entscheidende Größe. Die Bürger, die im Regiertsein durch solch ein politisches Mehrebenensystem auch mit Mehrfachidentitäten zu leben hätten, würden zurecht nach ihrer politischen Selbstbestimmung fragen, welche zusammen mit dem Verständnis von Politik als Problemlösungsinstanz "den Kern demokratischer Regierbarkeit darstellt". Welchen Einfluß die Europäer auf das supranationale Gebilde namens Europa haben hängt aber nicht nur davon ab, wie dieses ausgestaltet wird, sondern auch welche "Bürgerkompetenzen, Bürgertugenden und Bürgerverantwortung" von einer anzustrebenden Bürgergesellschaft "von unten" ausgehen können und dürfen. Die verschiedenen Standpunkte werden ausführlich dargestellt. Der zeitliche Horizont dieser Abhandlung spannt sich von den Ursprüngen der neuzeitlichen Europaidee und ihren vertragsrechtlichen Grundlagen bis zu den aktuellen Diskussionen um die Ausgestaltung eines Vertrages, welcher nach den nationalen Ratifizierungen einmal als Europäische Verfassung in Kraft treten soll. Es werden ideengeschichtliche Vorstellungen von Demokratie aus der Vergangenheit in die Zukunft gedacht, und so die möglichen Entwicklungen für den Menschen bis zu den EU-Insitutionen diskutiert. Dieses Buch ist lesenswert, und die Lektüre so gehaltvoll wie nützlich. Denn letztendlich betrifft Europa jeden, was dieses Buch schön herausarbeitet.
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